22. Vom Idyll in die Bayreuther Vorhölle

Goldkronach - Bindlach (anfangs schöne Etappe)
Goldkronach - Bindlach (anfangs schöne Etappe)

Goldkronach - Bindlach


Verlauf der Etappe auf einer Karte nachschauen bei Literaturportal Bayern.

Gewandert sind wir am Donnerstag, den  27. September 2012.

 

Heute Nacht und heute Morgen hat es heftig geregnet, deshalb ziehe ich jetzt meine über 20 Jahre alten Wanderschuhe an. Blasen kriege ich bei denen keine mehr. Garantiert.

Wir fahren nach Goldkronach (Wikipedia über Goldkronach), die Etappe beginnt hier, in dem kleinen, einstigen Goldbergbaustädtchen. Wie der Name andeutet, wurde in der Gegend seit dem Mittelalter bis in die 1920ziger Jahre Gold abgebaut. 

 

Goldkronach, das Goldbergbaustädtchen

 

Die geologische Erklärung der hiesigen Goldfunde, aus Wikipedia:

"Goldkronach liegt direkt auf der Fränkischen Linie, einer geologischen Störung. Sie trennt die erdgeschichtlich wesentlich älteren, harten Gesteine des Fichtelgebirges von den jüngeren, weichen Gesteinen des Vorlandes. An diesem Bruch in der Erdkruste, einer der bedeutendsten tektonischen Bruchzonen Europas, senkte sich die Vorland-Scholle, während jene des Fichtelgebirges sich hob. So ergibt sich die bemerkenswerte Situation, dass im Stadtgebiet Goldkronachs Gesteinsarten aus mehreren erdgeschichtlichen Perioden an der Oberfläche zu finden sind.[5]

Auf diese erdgeschichtlichen Verwerfungen sind die Goldvorkommen zurückzuführen. Sie sind auf einen kleinen Raum um den Goldberg begrenzt."

 

Ab 1400 herum wurde nun im Goldberg in mehreren Gruben nach Gold gegraben. Anfangs bestand Goldkronach nur aus drei Höfen, aber bald schon fanden hier über 500 Bergleute Arbeit. Hier wurde mehr Gold und Silber abgebaut als in allen anderen Städten des Landes. Nach vielen Auf und Abs des Goldbergbaus kümmerte sich von 1793 - 1796 auch Alexander von Humboldt als preußischer Bergbeamter um die Direktion der Bergämter Goldkronach, Naila und Wunsiedel. In Bad Berneck haben wir ja schon erfahren, dass der junge Wissenschaftler sich in der Gegend aufhielt. Bei seiner Arbeit als Oberbergmeister in Goldkronach war Humboldt vor allem an der Sicherheit der Bergleute interessiert. Er forschte an der Verbesserung von Grubenlampen, Lichterhaltern und Rettungslampen.

Blick auf Goldkronach
Blick auf Goldkronach, auf fränkisch: Gronich

Grubengeleucht und Wetter

 

Das Grubengeleucht ist für den Bergmann weitaus mehr, als nur eine Lampe zum Lichtmachen untertage. Licht untertage ist sonderbar, denn die Welt dort unten ist schwarz, nur schwarz. Es gibt keinen einzigen Strahl, der die Augen nach einer Gewöhnungszeit erreichen könnte. Es bleibt dunkel, immer. Am Geleucht also klammert sich der Bergmann, auch seine Seele hält es fest. Die Lampe ist Rettung aber auch Gefahrenquell zugleich. Sie warnt mit ihrer erlischenden Flamme vor giftigen, schleichenden, todbringenden Gasen oder  - sie bringt sie mit der offenen Flamme zur gewaltigen Explosion. Schlagwetter wie es in der Bergbausprache heißt. Wetter ist das Zusammenspiel von Frischluft/Sauerstoff und Grubengasen. Jene muss zugeführt und die anderen abgeführt werden, damit im Schacht überhaupt ein Mensch sein kann. Wie kann man vor Schlagwetter warnen, wie eine sichere Lampe konstruieren, die keine Gefahr für den Bergmann bedeutet?

 

Licht und Luft müssen künstlich hinunter geschaffen werden, damit Erze - das Gold - herauf geschafft werden können. Wie machte man das mit dem Transport? Nicht zuletzt lebten und starben Kaltblutpferde in den Schächten bis später Dampfmaschinen sie ersetzten. Das Leben dort unten war hart, für jedes Wesen.

 

Nun kann man sich vorstellen, warum es für Alexander von Humboldt wichtig war, sich mit Grubenlampen zu beschäftigen. Und er sorgte auch für Fortschritte bei der Versorgung der Witwen und Waisen verunglückter Bergleute und bei der fachkundigen Ausbildung in Bergschulen. Humboldt ging es um die Lebensqualität der Menschen im Bergbau, die war ihm wichtiger als der Gold-Ertrag aus den Gruben ...

 

Der Goldbergbau in Goldkronach prägte also für Jahrhunderte die Region. Um 1920 gab es sogar eine Fichtelgold-Aktie als Spekulationsobjekt. Aber im Zuge der Weltkriege verlor sie völlig an Wert. Der Bergbau wurde nach und nach eingestellt. Doch man erkannte die historische Bedeutung der Gruben und Schachtanlagen. 1981 wurde der Eingang des Schmutzler-Stollens neu eingefasst, durch den Wald ein Weg dorthin gebaut, der Schacht entwässert und im Jahr 1985 für Besucher begehbar gemacht.

 

Mehr Infos unter Goldbergbaumuseum Goldkrochach, Besucherstollen - Goldwaschen in Goldkronach und Goldkronach.de.

Schloss Goldkronach
Wir verlassen Goldkronach. Sein Schloss leuchtet noch weit.

Im fast 700 Jahre alten Schloss von Goldkronach lebt heute der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk mit seiner Familie, dort wo einst auch Humboldt wohnte ... mehr unter diesem Link ...

Das Fichtelgebirge hinter Goldkronach
Nun adieu, du blaues Gebirg ...

Es ist schon frisch. Ich hätte mir Handschuhe mitnehmen sollen. Aus Goldkronach kommt man gut und schön hinaus. Auf einer kleinen Asphaltstraße geht es in Richtung eines Badesees, wie es auf der Karte heißt. Aha.

 

Laut Wetter-App sollte es heute nicht regnen, dennoch haben wir Regenschirme dabei. Einen "Knirps" und einen Stockschirm. Wenn's richtig regnet, sind richtige Regenschirme besser, das ist unsere außerordentliche Erfahrung. Im Gegensatz zu 1-EURO-Capes oder anderen Ponchos, halten Schirme das meiste Wasser ab.

 

Auf dieser Strecke muss man viel rückwärts schauen, denn da bleibt das, uns so vertraut gewordene, Fichtelgebirge zurück.

 

Die 18. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" mit dem Titel "Auf der südöstlichen Gebirgsfront" erklärt uns noch einmal alles genau:

Auf dem Jean-Paul-Weg, 18. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" mit dem Titel "Auf der südöstlichen Gebirgsfront", Blick auf Goldkronach
Auf dem Jean-Paul-Weg, 18. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" mit dem Titel "Auf der südöstlichen Gebirgsfront"

Auf der südöstlichen Gebirgsfront

Der Lehrer von Jean Paul Th. Helfrecht hat das Fichtelgebirge um 1800 Beschrieben. Es lässt Einblicke zu, wie sich die Landschaft seit dieser Zeit verändert hat.

„Auf der südöstlichen Gebirgsfront sieht man zuerst eine lange Leiten von Berneck bis Leisau, auf welche das Dorf Gesees liegt. Die reichen Fruchtfelder mit Buschwerk abwechselnd, dann erhebt sich der steile Leisauer Berg und seinem angenehmen Grün von Laubholz und Buschwerk. Auch seinen jähen Abschluss gegen Goldkronach hat man doch die meisten Plätze zum Feldbau anzulegen gewusst. Die ziemlich kahle Galgenleite und Goldberge, auch etwas weniger als die üblichen Berge und Hügel bewachsen ist, weil mineralische Dämpfe das bessere Wachstum der Vegetation, wechselt mit hohen waldigen Bergen ihre schwarzen Häupter über die unteren Leiten emporstrecken.“

J.Th.B. Helfrecht, um 1800


Hinweis: Das Städtchen Goldkronach selbst wird von Südosten durch den Leisauerberg und die Mühlleithen, sowie auf der anderen Seite von dem Goldberge und der Galgenleiten fast gänzlich verdeckt.

Bei den schnell wandernden Wolken sieht der Rückblick auch immer wieder anders aus ...

Hinter Goldkronach - Blick auf das Fichtelgebirge
Hinter Goldkronach - Blick auf das Fichtelgebirge

Munter geht es weiter. Die Schlehenhecken tragen Schlehen und die Eichen Eicheln ...

Sind die aber gesellig! Finde ich. Arglos munter am Plauschen.
"Passt auf",  will ich sie warnen, "im Herbst kommen die Eichhörnchen und holen euch!" ...

... "Wie, das ist gar nicht so schlimm? ... Ach, ihr könnt in ihren Höhlen dann weiter schwatzen? Und Eichhörnchen vergessen, meint ihr? ... Ah, Hoffnung darauf, ein Bäumchen zu werden, gibt es immer!" Ich bin sprachlos.

 

Auf dem Sträßchen zum Badesee sind die entgegenkommenden Autofahrer freundlich und fahren ganz langsam an uns vorbei. Der kleine See macht uns Spaß. Gerade ruht er sich aus, erholt sich von der aufregenden Sommersaison. Er heißt nur "Badesee", darf aber eine eigene Facebook-Seite haben.

 

Stationstafel 97 freut sich, von uns gelesen zu werden:

Schulstunden in Lachen und Lächeln

Der Rektor, welcher gerne glaubt, ein Schulherr müsse seine Scholaren auf Reisen zu belustigen trachten, gab ihnen Befehle zum Lachen, setzte sie um sich herum und scherzte ihnen an einem ovalen Tische nach Vermögen vor.

„Wir werden heute“, sagt‘ er in der obern Stube zu den Mimikern, „Menschen von dem vornehmsten Stande sehen müssen, wir werden uns ins Schulgebäude und in das Billard verfügen - überhaupt werden wir in der Stadt Hof auf- und abschreiten, die den Ruhm äußerer Politur schon lange behauptet und in der ich am wenigsten wollte, daß ihr den eurigen verspieltet - zum Beispiel: wie würdet ihr lächeln, wenn ihr auf Ansuchen in Gesellschaft etwas zu belächeln hättet? Monsieur Fechser, lächl‘ Er saturisch!“

Er trafs nicht ganz - ich linierte ihnen also auf meinen Lippen jenes feine, wohl auseinandergewundene Normal-Lächeln vor, das stets passet; darauf wies ich ihnen das beccierende [fehlerhafte] Lachen, erstlich das bleirechte, wo der Spaß den Mund, wie ein Pflock den Eber-Rüssel auf dem Pürschwagen, aufstülpt, zweitens das waagerechte, das insofern schnitzerhaft werden kann, wenn es den Mund bis zu den Ohrlappen aufschneidet. Mein Auditorium kopierte mein Lächeln nach, und ich fand solches zwar richtig, aber zu laut. Nun wurden Verbeugungen rekapituliert, und ich nahm alle gymnastischen Übungen der Höflichkeit bis auf die kleinste Schwenkung durch.

Des Rektors Florian Fälbels und seiner Primaner Reise nach dem Fichtelberg

So etwas kenne ich doch! Das mache ich mit meinem "Herrlich!" ungefähr genau so. Jou, auch ich habe ein geheucheltes Lächeln.

 

Weiter nach Kottersreuth, ...

Wegweiser auf dem Jean-Paul-Weg zwischen Goldkronach und Bindlach
Auf dem Jean-Paul-Weg zwischen Goldkronach und Bindlach

... einem kleinen Dorf mit prallgefüllten Apfelbäumen, Sandsteinhäuschen und Fensterläden ...

Ein wirklich idyllisches Dorf, bei man das Gefühl hat, hier wohnen lauter Lehrer. So ein bisschen intellektuelle Leutchen, die in der Stadt arbeiten und betulich auf dem Land wohnen, einen Garten haben, Leitern unter Obstbäumen, Zinkwannen mit Blumen vor dem Haus, eine Tochter, die reitet, eine Katze, die auf der Fensterbank wartet und Geborgenheit, die mit Gießkannen verteilt wird.

 

Wie wunderbar fügt sich hier Stationstafel 98 ein, so als ob sie im Vorgarten gewachsen wäre:

Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 98 "Dorfschule als Realschule" in Kottersreuth
Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 98 "Dorfschule als Realschule" in Kottersreuth

Dorfschule als Realschule

Da man bisher aus so vielen Studierstuben heraus nach Realschulen schrie: so hörten es Gemeinden und Schulhalter und taten das ihrige gern. Die Gemeinden lasen für ihre Lehrstühle lauter solche pädagogische Steiße aus, die schon auf Weber-, Schneider-, Schuster-Schemeln seßhaft waren und von denen also etwas zu erwarten war - und allerdings setzen solche Männer, indem sie vor dem aufmerksamen Institute, Röcke, Stiefel, Fischreusen und alles machen, die Nominalschule leicht in eine Realschule um, wo man Fabrikate kennen lernt.
Der Schulmeister treibts noch weiter und sinnt Tag und Nacht auf Real-Schulhalten; es gibt wenige Arbeiten eines erwachsenen Hausvaters oder seines Gesindes, in denen er seine Dorf-Stoa nicht beschäftigt und übt, und den ganzen Morgen sieht man das expedierende Seminarium hinaus- und hineinjagen, Holz spalten und Wasser tragen u.s.w., so daß er außer der Realschule fast gar keine andere hält und sich sein bißchen Brot sauer im Schweiße seines - Schulhauses verdient.

Schulmeisterlein Wutz

Ich sehe schon das "expedierende Seminarium" vor mir, eine Schar von Schülern, die Holz hacken und spalten übt, der Lehrer Pfeife rauchend auf der Hausbank sitzt und ruhig mit gelehrigen Sprüchen Unterricht vortäuscht. Im Haus dürfen ein paar besonders gute Schüler den Ofen anschüren. Dicker Qualm steigt aus dem Schornstein und quillt aus dem offenen Stubenfenster. Es ist ein früher und noch warmer Herbsttag. Die Sonne steht hoch und heizt den Kamin so stark auf, dass es den Rauch zurück in den Ofen drückt und die Schüler hustend mit Tüchern wedeln. Der Lehrer wirft seine Pfeife ins Beet und stürzt fluchend hinein. Aus ist es mit seinem heimlichen Päuschen ...

 

Erklärung "Realschule"

 

Heute versteht man unter "Realschule" eine weiterführende Schule, die zwischen Hauptschule und Gymnasium angesiedelt ist. Der Abschluss führt zur Mittleren Reife.

Zu Jean Pauls Zeiten galt die "Realschule" als moderner Schulversuch, der mit neuzeitlicher, realer Bildung, den Schülern eben mehr das reale Leben beibringen wollte, als nur graue Theorie und Latein.

Auf dem Jean-Paul-Weg, hinter Goldkronach und Kottersreuth
Auf dem Jean-Paul-Weg, hinter Goldkronach und Kottersreuth

Leicht bergauf kommen wir an einem Aussiedlerhof vorbei. Leider kann ich heute nicht mehr rekapitulieren, ob es sich um den Ort Katzeneiche handelt. Jedenfalls war beim Aussiedlerhof eine Baustelle, bei der eine Oma die Rüttelmaschine geführt und den Hof eigenhändig platt gemacht hat. Ich fand das lustig.

 

Etwas abseits steht eine Schubkarre voller Äpfel. Dieser Herbst ist sehr apfelreich. Immer wieder begegnen wir Bildern, die davon erzählen.

Schubkarre voller Äpfel
Reiche Apfelernte 2012

Früher gab es auch in Zwergdörfern Zwergschulen, heute nicht einmal Dorfschulen in Dörfern. Ich habe es noch erleben dürfen, ein wenig. Wovon, das erzählt uns Stationstafel 99:

Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 99 "Dorfschule als Zwergschule" in Katzeneichen
Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 99 "Dorfschule als Zwergschule" in Katzeneichen

Dorfschule als Zwergschule

Eine Dorfschule sei hinlänglich besetzt. Es ist da 1) der Gymnasiarch oder Pastor, der von Winter zu Winter den Priesterrock umhängt und das Schulhaus besucht und erschreckt - 2) steht in der Stube das Rektorat, Konrektorat und Subrektorat, das der Schulhalter allein ausmacht - 3) als Lehrer der untern Klassen sind darin angestellt die Schulmeisterin, der die Töchterschule anvertraut werden kann, ihr Sohn als Tertius [Dritter] und Lümmel zugleich, dem seine Zöglinge allerhand spendieren müssen, damit er sie ihre Lektionen nicht aufsagen lässet - 4) endlich ein ganzes Raupennest Kollaboratores [Mitarbeiter], nämlich Schuljungen selber, weil daselbst die Schüler der obern Klasse schon zu Lehrern der untern groß gewachsen sind.

Schulmeisterlein Wutz


Die Schulstube oder vielmehr die Schularche faßte Abc-Schützen, Buchstabierer, Lateiner, große und kleine Mädchen - welche wie an einem Treppengerüste eines Glashauses oder in einem alten römischen Theater, von Boden bis an die Wand hinaufsaßen - und Rektor und Kantor samt allem dazugehörigen Schreien, Summen, Lesen und Prügeln in sich. Die Lateiner machten gleichsam eine Schule in der Schule.

Selberlebensbeschreibung

Und doch müssen wir auch aus diesem Idyll hinaus wandern ...

Hätte ich nicht bereits mit Depressionen zu kämpfen, wer hat das heute nicht, an manchen Stellen in eigentlich idyllisch gemeinten Dörfern würde ich sie spätestens bekommen. Wir erreichen das Dorf Deps. Es geht gleich los, Hallen-Qualen, Schrott, Autoreifen, Silo-Anlagen, Kälberiglos, nothing was made with love. Haben Bauern das Wir-lieben-die Scholle-Gen gar nicht?

 

Und dann entdecken wir just die Landmaschinen, die auf dem Galgenberg hinter Bad Berneck die Natur zugedröhnt haben. So weit fahren die also.

In Deps
In Deps

Nein, ich bin nicht gegen moderne Landwirtschaft. Ich weiß, es gibt auch die anderen Bauern. Aber warum gibt es so viele, die offensichtlich kaum darüber nachdenken, wohin dieser Optimierungswahn führen wird. Spüren sie denn nicht selbst, dass etwas nicht stimmt. Spürt denn der Massenschweinemäster oder Massengeflügelzüchter nicht, dass er seine Tiere quält? Dass Menschen gequälte Tiere nicht essen mögen? Ich die schockierenden Bilder unserer tierischen Lebensmittelproduktion nie wieder aus meinem Kopf kriege? Ich an keinem Schlachthof vorbei fahren kann, ohne Panikattacken zu kriegen? Man mag mich belächeln, ich weiß.

Was uns für immer verloren ging, zeigt der wunderbare Bildband von Wolf-Dietmar Unterweger "Die Bauern".

 

Wir wollen schnell raus. Aber wir finden den Weg nicht. Wo geht es hier weiter, keine Jean-Paul-Weg-Markierungen in Sicht. Wir irren wie Verwirrte umher, wir fragen nach, keiner weiß etwas von einem Jean-Paul-Weg.

"Wie war der Weg? ... Na, ma kennt nur den Weg noch Bindlach, des is a Fußweg, da müssens da durch den Hof ...", und die Frau zeigt uns, wo es lang geht.

 

Oh, Gott, denke ich. Schon wieder Schrott, Kettenhund, Kälberiglos, hoffentlich schlachten sie nicht gerade eine Kuh, wie ich das schon einmal erlebt hatte. Lauert schon wieder Schockgefahr! Aber wir schaffen es vorbei, finden allerdings keine Wegweiser mehr, laufen trotzdem weiter, weil der Bindlacher Berg so nahe scheint, man sieht ihn fast schon ...

 

Wir sagen uns, egal jetzt, ob Jean-Paul-Weg oder nicht, Hauptsache Bindlach. Auf einer Asphaltstraße geht es bergan. Wir kommen auf das Gelände der ehemaligen US-Kaserne am Bindlacher Berg. Die Kasernenwohnblocks stehen noch und werden heute zivil genutzt. Für uns bedeutet das im Augenblick Straßenwirrwarr und wehe Füße. Auf einer Seite steht ein seltsames Anwesen, dass sich dann als Altenheim entpuppt. Es sieht aus wie ein Psychiatriegebäude aus dem Dritten Reich, obwohl es von außen neu gestrichen ist. Nie will ich als alte Frau hier landen, sage ich zu Peter.

 

Dann steht ganz plötzlich und unvermittelt ein kleines, rotes, altes Feuerwehrautochen hinter dem Altenheim auf einem Platz.

Wir lesen die noch mit Hand gemalte Aufschrift: "Freiwillige Feuerwehr Unterailsfeld".

So eine kleine weiße Schrift auf rotem Untergrund zaubert mit einem Mal eine ganze Glückspilz-Kolonie mitten in unsere dunkle Fichtenschonung. Erinnerungen an unsere Zeit, als wir sieben Jahre im Fränkische-Schweiz-Örtchen Behringersmühle, unterhalb von Gößweinstein, wohnten und arbeiteten. Das ist nicht weit von Oberailsfeld entfernt, sechs schöne Kilometer durchs Ailsbachtal, vorbei an Unterailsfeld.

 

Geschichten aus dem Ailsbachtal

 

In Oberailsfeld gibt es ein wunderschönes Gasthaus. Es gehört seit Generationen der Familie Polster und eine Brauerei, die Held-Bräu, gehört auch dazu. Wie viele Abende und Nächte haben wir hier in der Gaststube auf der warmen Kachelofenbank wohl zugebracht? Gut versorgt mit dem köstlichen braunen Bier, von Helmut Polster selbst gebraut und aufmerksam gezapft. In einem fränkischen Gasthaus trocknet man nie aus. Der ein bisschen scheue Helmut setzte sich oft zu uns, auch seine Frau Gertrud. Sie gab uns Jahr für Jahr die gute "KirschMa" (gemeint war "Kirschmarmelade", aber mehr Platz war auf dem Etikett nicht), als Geschenk von der Oma.

 

So wuchsen, auch für uns sichtbar, die "Polsterkinder" auf. Der Sohn lernte Braumeister, die Töchter halfen bei der Bedienung, besonders während der Kirchweih, dann in der Felsenbar. Die Töchter waren still, ganz Helmut und Gertrud, aber hinter der Theke immer der Kracher des ganzen Festes. Shakira ist mit ihrem Aussehen nichts dagegen. Sonntags kamen die Verehrer scharenweise zum Bräten-Essen nach Oberailsfeld. Das alles genossen wir ebenso still.

 

Ganz anders ging es uns beim alljährlichen Stärkeantrinken am 6. Januar. Da geht man in Franken schon früh um zehn ins Wirtshaus und trinkt den ganzen Tag Starkbier, damit man für das kommende Jahr gewappnet ist. An einem dieser Tage begleitete uns ein Zimmermann, der auf seiner Walz schon drei Monate bei uns überwinterte, und ausgerechnet am 6. Januar Geburtstag hat. Er stellte sich immer als "Kunze Chemnitz" vor. Es bot sich an, ihn ins Stärkeantrinken einzuführen. An jenem 6. Januar, das muss wohl 1997 gewesen sein, wurde dann alles "hinten höher wie vorne". Die schon betagte, aber sehr gesellige Pia aus Behringersmühle - sie lebt heute nicht mehr - war mit dabei. Die Anwesenheit des jungen, stattlichen Zimmermanns genoss sie, für alle erkennbar, sehr. An diesem Tag wurde sie nicht nur stärker, sondern auf sonderbare Weise auch jünger.

Seit Stunden saßen wir warm um den Stammtisch herum, draußen schneite es, dann kamen Klöße und Schäufele und zu guter Letzt auch noch ein anderer Zimmermann aus: Unterailsfeld. Als sich herausstellte, dass er ebenso ein Rolandsbruder, wie "Kunze Chemnitz" (Gesellenvereinigung Rolandschacht) war, flossen die Biere endlos. Dass man als Frau so viel vertragen kann, darüber wunderte sich Pia noch lange.

 

In Oberailsfeld gab es auch ein Bäckerehepaar der besonderen Art. Ihren Namen haben wir leider vergessen. Die beiden waren schon alt, eigentlich längst in Rente, aber sie buken weiter in ihrer Backstube und verkauften alles in ihrem Laden. Beides stammte aus längst vergangener Zeit, und alles sah so aus, als ob seit Jahren nie jemand geputzt oder aufgeräumt hätte, ehrlich. Aber die Krapfen, die Hörnla, die Christstollen, sämtliches Gebäck war auch irgendwie jenseits dieser, unserer Zeit. So köstlich! Alles roch nach Hefe und Butter, man stieg in diesen Duft hinein und aß sich durch ihn hindurch. Von Nürnberg sogar kamen die Kunden gepilgert. Mittwochs, immer wenn es die guten Krapfen gab, sah man sie vor der Bäckerei Schlange stehen.

Auch fuhr der Bäcker immer noch täglich seine Bredla (Brötchen) im Ort aus. Ja, er besaß ein Auto. Allerdings ging bei dem Wagen die Fahrertür nicht mehr auf, was ihm aber nichts machte, er kletterte einfach durch die Heckklappe ans Steuer. Eines Tages, der Backofen war wohl kaputt, hatte er keine Bredla zum Ausfahren. Aber pflichtbewusst wie er war, fuhr er des Abends im ganzen Ort von Haus zu Haus, nur um allen zu verkünden, dass es heute keine Bredla geben wird.

 

Von weit pilgert man zur Held-Bräu nach Oberailsfeld. Damals, nahezu einmal im Monat, meist Samstags, kam immer eine junge Familie, mit Drillingen. Den ganzen Tag verbrachten sie am Stammtisch, die Kinder malten oder gingen raus zum Spielen. Der Papa saß Pfeife rauchend, damals durfte man das in Gaststuben noch, bei Helmut und genoss Bier für Bier den Heldenstoff. Die Drillinge waren jedes Mal für alle die Schau. Papa erklärte uns, er wär' vom Pfeife'-Club aus Miltenberg und den Besuch der Held-Bräu würd' er sich einmal im Monat gönne', egal, was kommt.

 

Hier, bei Bindlach, steht nun also das Autochen aus Unterailsfeld auf dem Platz, einsam, wie hoffentlich nicht die alten Leutchen von nebenan.

 

Wir irren umher, finden uns auf einer viel befahrenen Straße wieder, fragen uns, sind wir hier überhaupt richtig? Offensichtlich ja, denn wir finden Stationstafel 100:

Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 100 "Am Bindlacher Berg" am Bindlacher Berg
Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 100 "Am Bindlacher Berg" am Bindlacher Berg

Am Bindlacher Berg

Als wir den ausgestreckten Bindlacher Berg hinunterfuhren, nahm die Vertiefung uns die vor Freude wallende Sonne. Die Welt ruhte. Auf dem Berg sprosste der Mond wie eine geschlossene Lilienglocke heraus. Wir stiegen beide unten aus, unweit einer alten Säule, vor der ich nie ohne einen Seufzer vorbeigegangen bin.

Ich führte Pauline an den unscheinbaren Pfeiler und erklärt ihr, was die verwitterte, brüchige weibliche Gestalt, über die ein Wagen geht, bedeute. Die umliegenden Ortschaften berichten nämlich, dass einmal eine Braut, die auf dem Kammerwagen hier den Armen ihres Bräutigams unter einem Gewitter mit scheugewordenen Pferden entgegenfuhr, unter die Räder gestürzt und vor seinen gemarterten Augen den getäuschten hoffenden Geist aufgegeben habe.

Quintus Fixlein

Von der menschlichen Festplatte, dem Gehirn, lässt sich nichts löschen. Einmal erlebt, immer erinnert.

 

Da haben wir den Weg wieder, wir sind am Bindlacher Berg, im Ort Namens Bindlacher Berg. Auf einer Panzerstraße geht es nun weiter, LKW rauschen an uns vorbei ...

Wieder einmal haben wir das Gefühl, nicht richtig zu sein, und suchen nach den Wegweisern. Dann, auf der Rückseite eines Verkehrsschildes klebt wieder "Jean Paul". Also doch, hier geht es lang. "Da hinten Peter, ist das nicht eine Jean-Paul-Weg-Tafel?" rufe ich, und "ich lauf mal vor gucken ..." Links neben mir erste Wohnhäuser, rechts neben mir ein großes Magerwiesengebiet mit Trampelwegen. Warum geht es nicht da lang? Wäre doch schöner.

 

Ich komme zur großen Tafel und erkenne, dass neben der Panzerstraße sogar ein Radweg verläuft, den offensichtlich die Bewohner des Altenheims gerne nutzen.

Auch die 19. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" mit dem Titel "Durch ehemalige Weideflächen" leidet:

Durch ehemalige Weideflächen

Die kartenmäßige Erfassung der Landschaften war um 1800 eine bahnbrechende Entwicklung, die uns heute die Landschaft zu Jean Pauls Zeiten nachvollziehen lässt.
Damals waren die heute wieder weitgehend mit Wäldern und Gebüschen bestandene Geländekanten um den Bindlacher Berg, wie es die geheime Militärkarte des Markgrafen Alexander ca. 1870 zeigt, weitgehend baumlos.

Bis in das 20. Jahrhundert wurden die Flächen als Viehweide genutzt. Wenigen ist bewusst, dass die Energie, die Transportkraft für Fuhrwerke und Menschen, damals aus den landwirtschaftlichen Flächen (das Futter für Pferde und Ochsen) erwirtschaftet wurde. Die ab 1800 eingeführte Stallhaltung, die Meloration [Verbesserung] der Weideflächen und das Aufforsten der zu steilen Flächen führten zu mehr Futter und zum Zuwachsen der Hänge.

Aber es gibt einen Trost. Die alte Poststraße, jetzt liegt sie vor uns, kerzengerade und steil. Eine Straße, die man bewältigen muss, ob bergauf oder bergab.

 

Menschen, die sich nach Äpfeln bücken, begleiten uns ... ach so, nein, dieses Mal sind es Walnüsse! ...

... und Stationstafel 101:

Alte Poststraße

Spät erblickte er ihn auf der hinter dem Dorfe Bindloch aufsteigenden langen Anhöhe, einer Bergstraße im eigentlichen Sinne, auf der weder ab- noch aufwärts zu eilen war. Nach Vermögen schnell watete Leibgeber hinauf, um den Advokat unerwartet einzuholen schon vor Hof, etwan in Münchberg oder in Gefrees, wenn nicht gar in Berneck, das wenige Post-Stunden von Baireuth abliegt.

Aber sollte alles nicht noch zehnmal besser gehen? Erblickte nicht Siebenkäs am Fuße des Berges ihn endlich oben unweit der Gipfelebene und rief seinen Namen, und er hörte es nicht? Lief er nicht außerordentlich mit dem Schnupftuch in der Hand dem langsamen bergmüden Freunde nach, und kehrte dieser sich oben nicht zufällig und zum Überschauen der sonnigen Landschaft um und sah ganz Baireuth, ja zuletzt gar den - laufenden Freund? - Und stießen endlich nicht beide, der eine bergab, der andere bergauf eilend, aneinander, aber nicht wie zwei feindliche Heere, sondern wie zwei bekränzte schäumende Becher der Freude und der Freundschaft?

Siebenkäs

Auf dieser Straße gehend, mit einem so schönen Oben und Unten, wo man sich so herrlich von weit zuwinken kann, denkt es sich sofort: Einmal möcht' ich in meinem Leben so in freudiger Freundschaft einem anderen entgegen eilen. Aber wenn ich darüber nachdenke, wie oft ich das gemacht habe, und feststellen muss, wie selten oder es gar nie war ... was ging mir da verloren?

 

Ein Radfahrer kommt uns entgegen, nicht fahrend, hier und heute muss er schieben. Jauchzend rollern von oben Kinder an uns vorbei. Echt mutig, staunen wir. Die können es!

 

Langsam nähern wir uns dem eigentlichen Ort Bindlach. Bindlach liegt kurz vor Bayreuth, das man jetzt schon sehen kann. Erste Häuser eines Wohngebietes tauchen auf, die nächste Bushaltestelle ist nicht mehr weit ...

 

Trotz meiner alten Wanderschuhe brennen heute meine Fußballen, die Gelenke schmerzen. Ich verstehe das nicht, denn in den Schuhen haben meine Zehen auch viel Platz. Ich glaube, ich will meine Latschen wieder zurück. Wahrscheinlich sind die langen Wege über Asphalt das Problem. Man glaubt es kaum, was das ausmacht. 

 

An der Bushaltestelle müssen wir noch fast eine Stunde auf den nächsten Bus warten. Es gibt hier keine Bank. Das ist hart, wenn man bald nicht mehr stehen kann. Nun denn, ich laufe mit Fidel noch mal ein bisschen durchs Wohngebiet. Peter studiert währenddessen den Busfahrplan. Die A 9 ist nicht weit, man hört und sieht sie und dahinter auch schön dramatisch das Fichtelgebirge liegen.

Bushaltstelle in Bindlach, im Hintergrund das Fichtelgebirge
Bushaltstelle in Bindlach, im Hintergrund das Fichtelgebirge
Im Hintergrund das Fichtelgebirge
Im Hintergrund das Fichtelgebirge

Ich bemerke, dass Fidel mit kleinen Kletten übersät ist. Ich meine zu Peter: "Schau, wir haben keinen Kettenhund, sondern ein Klettenhund."

Klettenhund Fidel
Klettenhund Fidel

Da kann ich ja im Bus gemütlich Kletten puhlen, denke ich mir. Wie immer besteige ich die Busse den Fidel tragend, was heißen soll, er wird keinen Sitzplatz beanspruchen, also nichts kosten, was auch meistens so akzeptiert wird. Der heutige Busfahrer jedoch sieht das anders und will 80 Cent Fahrgeld für Fidel. Peter zahlt einfach, heute haben wir keine Lust auf Diskussionen. Peter meint zu mir, ich glaube, der hat auch schlechte Laune. Wenn es ihm für 80 Cent besser geht, dann wuppen wir das.

 

So holpern wir langsam wieder die alte Panzerstraße zurück nach Bad Berneck, dann umsteigen nach Goldkronach.

Im Bus zurück nach Bad Berneck und dann nach Goldkronach
Im Bus zurück nach Bad Berneck und dann nach Goldkronach

In Goldkronach dann, kehren wir ein, finden ein nettes Bierstüberl, sind aber ganz allein. Weil im Nebenzimmer eine Seniorengruppe feiert, werden wir auch noch vergessen. Dann ist für uns heute auch noch die Portion zu klein und zu teuer und das Bier ein Plörre-Bier. Unser Belohnungszentrum wird so nicht belohnt.

 

Wen es interessiert, hier der Link zum Hotel Meister Bär in Goldkronach. Es handelt sich hier um eine Hotelkette, nicht um eine Brau-Stube im klassischen fränkischen Sinn.

Heute Abend treffen wir in Hollfeld - wir fahren ja immer nach Hause - Jan Burdinski auf der Straße. Wie immer ist er in Eile, dabei weht sein halblanges Haar nach hinten, ganz wie bei Otto Waalkes. Jan ist seit unzähligen Jahren Intendant und Faktotum des Fränkischen Theatersommers, und auch gefragter Schauspieler und Rezitator. Da der Sitz des Theatersommers in Hollfeld ist, begegnet man Jan Burdinski häufig. Er ist ein bekannter bunter Hund, wenn man das so sagen darf. Wir haben ihn gern. Außerdem war er später ein täglicher Gast in unserer Kaffeestube MärchenWinkel, die es heute nicht mehr gibt. Jan ist kuchensüchtig und wollte ohne meine selbstgebackenen Werke nicht mehr leben. Deshalb kam er auch an Ruhetagen vorbei, immer hoffend, noch Reste zu ergattern und ein bisschen Theatersorgen los zu werden. Heute vermissen wir uns sehr!

Auf seine Frage, damals, wie es uns geht, erzählen wir, dass wir gerade den Jean-Paul-Weg wandern. Jan meint dazu, er käme mit Jean Paul nicht klar. Er hätte ihn einmal rezitieren sollen, das habe er aber abgelehnt. Er verstünde Jean Paul einfach nicht.

 

Natürlich wissen wir, warum Jan nicht mit Jean Paul klarkommt: Jan ist kein Biertrinker. Jan selbst läuft zwar auch viel zu Fuß und schnell, wie Jean Paul, so viel wissen wir, nur, Jan läuft aber nicht hin zu einem braunen Bier, wie Jean Paul das gerne tat. Jan würde auch nie hin zu etwas laufen. Wenn Jan läuft, heißt das, er läuft eher mehr weg, also wahrscheinlich mehr weg als hin, hin zu etwas. Wie Jean Paul hin zum Bier. Versteht mich einer?

 

Na ja, so ungefähr. Jean Paul war wohl auch ein Quasseler, stellen wir fest. Morgens lesen wir immer im Bett über ihn und von ihm, abwechselnd in verschiedenen Büchern. Ich frage: "Wo bist du gerade?" antwortet Peter: "Bei mir ist er jetzt in Weimar." "Bei mir auch, wie witzig."

 

 

P.S.

Ich glaube, ich muss noch sagen, dass das mit der "Vorhölle" sich so verhält, dass wenn man aus der Landschaft heraus in eine Stadt wandern muss, man ganz schlecht die sich dabei steigernde Hektik ertragen kann. Sie kommt einem durch den Kontrast zur Stille übermächtig vor. So gesehen hat also jede Stadt eine Vorhölle. Bayreuth selbst trifft natürlich keine Schuld. Man möge mir verzeihen.

Jean Paul hat die Region

Bad Berneck - Goldkronach - Bindlach

als Bayreuther Vorhimmel bezeichnet und

Bayreuth selbst als seinen Himmel.

So ist das nämlich.

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