26. Leben und Sterben in Bayreuth - Teil 2: Umzugs-Marathon

Bücher von Dr. Philipp Hausser: Jean Paul und Bayreuth
Bayreuth - Maxstraße - Vorstadtteil Dürschnitz - Stein(Kulmbacher)straße - Friedrichstraße 10 - Friedrichstraße 5

Bayreuth


Verlauf der Etappe auf einer Karte nachschauen bei Literaturportal Bayern.

 

Wenn man die moderne Welt weglässt, die Aspaltstraßen, die Autobahnen, die Gewerbegebiete, die Windräder, die Strommasten, alles, dann muss die Landschaft und das Städtchen Bayreuth einem wirklich lieblich erschienen, die Aussicht bei Ankunft ähnlich erhebend gewesen sein, wie wenn man heute mit Auto auf der A9 von Gefrees und Himmelkron auf den Bindlacher Berg kurz vor Bayreuth gelangt und hinunter ins Tal auf die Ebene von Bayreuth blickt.

 

Wie ein hinreißendes Idyll muss Bayreuth und sein Ländchen dem jungen Jean Paul angemutet haben, der vom kargen, kalten Hof, das ohne Schloss und Park war, hinunter reiste. Eine Offenbarung dessen, was alles möglich sein kann.

 

Aus Philipp Hausser zum Bayreuth der damaligen Zeit:

"Jean Paul zog sich in eine Stadt zurück, die sich - betrachtet man Ludwig Richters spätere Lithographie - geschlossen und mit zarten Konturen auf des Dichters 'grünangestrichenem Präsentierteller' darbot. Nirgends ein Klettern zum Tellerrand hinauf. Dort lagen vielmehr eigenständige, kleine Gemeinden, durch den Wechsel von ziegelroten und schiefer- oder schindelgrauen Dächern das sie umschließende vielfältige Grün belebend, von Kirchtürmen inmitten, die trotz ihrer Gedrungenheit noch alles überragten und in den Himmel wiesen. Die Stadt selbst hatte sich ihren Mauergürtel bewahrt, der Stadtgraben davor war in Gärten oder Promenaden verwandelt, das Wasser, wie in der Dammallee, in hübschen, baumbestandenen Teichen gesammelt. [...]

Unmittelbar geöffnet hatte sich der gotische Stadtkern nur nach Osten zu einer harmonisch mit dem Alten sich verbindenden barocken Neustadt mit den Prachtstraßen der Friedrichstraße und entlang dem Neuen Schloß. Dessen Hofgarten wiederum war nur ein Landschaftsfinger aus der Stadt in die Weite.

Bayreuth übertraf an Größe Weimar, Meiningen und Coburg, von anderen Kleinresidenzen zu schweigen, die Jean Paul (später) besucht hatte. Dabei zählte es kaum zehntausend Bewohner in wenig mehr als achthundert Häusern. Diese, soweit nicht im mittelalterlichen Mauerring gelegen, zeigten durch vielfache Verwendung des Hartmannsreuther Sandsteins nicht nur Details, sondern für ganze Fronten, großzügige Würde und Schönheit, so daß sie alles übetrafen, was Jean Paul bisher an Häusern gesehen haben mag. [...]

Neben solchen selbstbewußten Bürgerhäusern standen das Neue Schloß, aber auch Wilhelminens Opernhaus, das Reithaus, [...]

Bayreuth um 1830, von Ludwig Richter, Foto aus Philipp Hausser "Jean Paul und Bayreuth"
Bayreuth um 1830, von Ludwig Richter, Foto aus Philipp Hausser "Jean Paul und Bayreuth"

Renate Wirth, der junge Verheißungsengel in Bayreuth

 

Kommen wir zu Jean Pauls Freundin Renate Wirth - aus Hof. Sie brachte Jean Paul dazu, nach Bayreuth zu reisen und dass er sich in alles hier verliebte. Renate Wirth war eine sehr gute Freundin des jungen Dichters. Sie schrieben sich gerne und viel und Flirten war wohl auch mit im Spiel. Die Jugendliche hatte Verwandtschaft in Bayreuth, weswegen sie sich dort häufig und lange auffhielt, was Jean Paul bewog, die Gelegenheit zu nutzen und auch nach Bayreuth zu wandern, meist zu wandern. So kam er aus dem engen Hof heraus ...

 

Bei Philipp Hausser "Jean Paul und Bayreuth" heißt es:

"... Im März 1790, schon mit der Arbeit an der "Unsichtbare Loge" beschäftigt, geht Jean Paul, wiederum als Hauslehrer, nach Schwarzenbach an der Saale, um die Kinder einiger Bürger zu erziehen.

Von Bayreuth ist in diesen Jahren kaum die Rede. Es lag weit, weit im Süden, und von jenem Ausflug hoch zu Roß 1781 (davon erzähle ich noch) dürfte kaum eine nachhaltige Erinnerung verblieben gewesen sein. Die Stadt wird von Jean Paul nur zuweilen in recht realer Weise erwähnt, wenn er von einer dort stattfindenden Lotterie hört, über den Buchhandel klagt oder die Mutter bei einem Geldwechsel berät.

Da taucht in der Schwarzenbacher Hauslehrerzeit 1790 neben anderen, meist flüchtig wie in bengalischem Licht auftretenden Mädchen, eine neue Freundin auf, Renate Wirth. Zart, warm, gescheit, knapp 15 Jahre alt, war sie nun so erblüht, daß sie Richters herzlichtes Interesse weckte und er sie und ihre Eltern - der Vater war Postmeister in Hof - längst gekannt hatte. Später wird man diese junge Hoferin als die Frau ansprechen, die neben Charlotte von Kalb (deutsche Schriftstellerin und Freundin Jean Pauls) von allen Frauen auf Jean Pauls Entwicklung den größten Einfluß ausgeübt hat. Durch Renate wird Richters Blick mit einem Mal wieder auf Bayreuth gelenkt. ..."

 

Renates Mutter, die Frau Postmeisterin, war die Tochter des Geheimen Hofkammerrats Seidel aus Bayreuth. Mit ihr schrieb sich Jean Paul schon mehrmals. Die Postmeisterin besuchte mit ihren Töchtern und Christian Otto mit Wagen und Rössern den jungen angehenden Dichter in Schwarzenbach zu Kirchweihen und Tänzchen. Und Renate reiste immer wieder zu ihrer Tante nach Bayreuth, blieb dort eine Weile und führte einen regen Briefverkehr mit Jean Paul. Natürlich erzählte sie darin von dem schönen Städtchen, den Menschen dort, den Stelldicheins und von der Eremitage.

 

"Renate war alljährlich mehrmals bei der Bayreuther Verwandtschaft zu Besuch und dort fast mehr zu Hause, sicher aber glücklicher als in Hof. Als das Mädchen wieder mit der Postmeisterin bei der Bayreuther Tante verweilte, suchte Jean Paul, der allwöchentlich einmal von Schwarzenbach nach Hof zu seiner Mutter und den Brüdern wanderte, die Freundin in Gedanken in Bayreuth, erinnerte sich ihrer Erzählungen von Stadt und Gegend, der Eremitage [...] und begann in gewohntem Überschwang sein Elysium aufzubauen mit Renate mittendrin. Da diese ihm von Bayreuth  n i c h t  geschrieben hatte, neckte er die nach Hof zurückgekehrte: 'Da sie mir aus Bayreuth in ihren Freuden und Seeligen schrieben ...' und fügte einen Brief an, als schriebe  R e n a t e  an  i h n  aus Bayreuth, worin er ihr und ihrer Mutter erdachtes Verhalten in der besuchten Satdt schildert. Gegen Ende heißt es:

 

Jetzt kommt der Text von Stationstafel 121:

"O du geliebtes Baireut, in das ich wie in einen Himmel fuhr und in dem ich jede Minute verschlang, aus Furcht, sie fliege ungenossen vorüber - besuche mich in meinen Hofer Träumen und spiegle dich in ihnen mit deinen Gegenden und Einwohnern ab wie der Himmel im klaren Bach."

 

Diese Form der Begeisterung, die sich an einer Person emporrankt und dabei die ganze Umgebung mitverklärt, wird man bei dem Dichter immer wieder finden. Hier wurde Bayreuth nebenbei beschenkt. ..." (dito)

 

Renate hat ihm von der Eremitage vorgeschwärmt und Jean Paul greift alles auf:

"... Diese Eremitage mit den Klausner-Häuschen, die Jean Paul noch gar nicht kannte - wohl nach den Erzählungen der Freundin - so viel Eindruck gemacht, daß sie in dem Roman schon erwähnt worden war ..." (dito)

 

Dann ab 1792 war Jean Paul immer wieder in Bayreuth, manchmal nur kurz, und oft waren seine Reisen aber umrankt von traurigen Ereignissen. Sein Freund Christian Oerthel stirbt an Blattern. Doch Jean Paul wird neue Freunde finden, gerade durch Renate Wirth.

 

Philipp Hausser schreibt:

".. . sie war es, die Jean Paul in seinen entscheidenden Jahren - er arbeitete an der Vollendung des 'Hesperus' - immer wieder auf Bayreuth hinwies, durch ihre zahlreichen Verbindungen zu der Stadt seine eigenen aufbauen half und den aus der Hofer Gegend elementar Wegdrängenden unbewußt in die Lichte der ehemaligen Residenzstadt trieb.

 

Renate Wirth ist auch der Verheißungsengel von neuer, immerwährender Freundschaft

 

So kam der Dichter schon bei seinem nächsten Bayreuther Besuch schon Anfang September 1793 auch zu dem Mann, mit dem Renate von ihren Bayreuther Aufenthalten her gut bekannt war und der neben Christian Otto Jean Pauls engster Freund werden und ihn nicht zuletzt zeitlebens an Bayreuth fesseln sollte: Emanuel, der später auf Richters Betreiben den Zunamen Osmund annahm. Er war 1766 in Altenkunstadt geboren [...] Emanuel brachte es vom Hausierer zum reichen Handelsherren und Bankier.

(Mehr über Emanuel Ostmund: Staatsbibliothek Bamberg.)

 

Der neue Freund Emanuel Osmund in Bayreuth

 

Er wohnte in der Friedrichstraße (6 oder 8; ganz sicher läßt es sich nicht ermitteln. Schon als junger Mann zeigte er nicht nur nach dem Urteil Jean Pauls außerordentlichen Anstand und Würde in Erscheinung und Handlungsweise und es liegt nahe, daß gerade dies im Zusammenhang mit dem orthodoxen Judentum (dem er bis an sein Ende anhing) 1792 zu einer schweren Mißhandlung durch zwei Offiziere geführt hatte, wodurch Emanuel zeitlebens schwerhörig und zum Gebrauch eines Hörrohres gezwungen war. [...]

 

Seine (Emanuels) Briefe, zumal wenn er zu Dritten von Jean Paul spricht, berühren gerade dadurch so angenehm, daß ihnen der Dichterische Überschwang gänzlich fehlt. Geschickt in allen praktischen Dingen des Lebens und als freundschaftlicher Helfer immer zweckvoll bemüht, war er dabei sehr belesen, an Philosophie interessiert und vor allem [...] von gesundem Menschenverstand erfüllt. Christian Otto hingegen, als Schriftsteller auch von Jean Paul freundschaftlich überschätzt  [...] war auch nach Bayreuth gezogen, als sich Richter 1804 endgültig in der Stadt niederließ. Beide Freunde bildeten mit dem Dichter eine Art Dreieinigkeit, zu der sich andere nur im Abstand von Heiligengestalten gesellten [...]

 

Im September 1793 also schreibt Jean Paul aus Bayreuth an Renate:

 

'Es gießet der Himmel jetzt, und meine Feder solls auch so machen. Der ganze Tag steht vor mir hin mit lauter Visitten wie mit Trachten besetzt - Es ist nichts Schöners als so (wie ichs mache) zur Thüre hineinfahren - die Person zum ersten mal sehen - ihr einen geliebten  Brief hingeben - in drei Minuten bekannt werden - in fünf Minuten lustig werden - und in achten verliebt -- [...]

 

... und hier folgt der Text von der Stationstafel 121:

"Du liebes Baireut, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten, man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können."

 

Ich schreibe so lange es regnet, damit ich mich um den ganzen Himmel nicht scheere und meine Heiterkeit ohne die seinige behalte. -- Gestern ging ich unter Finsternis, Regen und Musik der Vogelschützen-Armee zum guten, guten Mandel (Emanuel)!

Unser theuerer Mandel hört ohne Hörrohr, wenigstens mein Sprachrohr, und braucht die Krücke wie wir den Stock, zu nichts. Er ist kein Jude, sondern ein Philosoph - und den Offizieren hätte man in ihrer Jugend so viel Verstand einprügeln sollen als sie ihm ausprügelten. Diese schöne Seele sollte nichts feil haben als - Wahrheiten ... [...] Wir disputierten fast blos - ich konnte gar nicht fort - ein alter Jude mit einem Barte so lange wie ein Kometenschwanz kam dazu und sprach dazu recht gut - Sein erstes Wort klang Renata - Seine edle Wärme für Sie ist so groß, daß ich nicht weiß, welches schöner ist, die Wärme zu empfinden wie er oder zu verdienen wie Sie ...'

 

[...] Der Grundstein für Jean Pauls Bayreuth-Liebe war gelegt. Mit Renate kommt es in den nachfolgenden Monaten zu Eifersüchteleien. Der Dichter dachte in jenen Jahren an keine dauernde Verbindung, und Renate heiratete schließlich Christoph Otto , einen Bruder des Freundes Christian, was Richters Zuneigung zu der jungen Frau nicht lähmte."

 

Soweit mein erster kleiner Ausflug in die prallgefüllten "Hausserschen Bücher".

Jean Paul kannte seinen besten Freund Emanuel also schon lange, bevor er 1804 selbst mit seiner Frau Karoline, seiner Tochter Emma und dem Sohn Max nach Bayreuth umzog. Emanuel war es, der ihm bei Suche nach einer passenden Wohnung behilflich war und der großes Verständnis für seine Bierliebe aufbrachte, denn er organisierte bislang die aufwendigen Biertransporte dorthin, wo Jean Paul vorher wohnte, wie nach Meiningen oder Coburg.

 

Osmund wohnte Friedrichstraße 6 oder 8 und Jean Paul, erst später, nach mehreren Umzügen innerhalb der Stadt, von 1808 - 1811 in der Nr. 10. Sie waren Nachbarn und schrieben sich täglich kleine Briefchen, manchmal sogar mehrmals am Tag.

 

Hier der Text auf der Stationstafel 122 vor dem Haus Friedrichstraße 10, in dem heutigen Restaurant "Herpichs", das sich ganz und gar auf den früheren und berühmten Mieter Jean Paul eingelassen hat. Man siehts an den angebotenen Speisen und Getränken:

 

Jean Paul mit Ausstellung und Kulinarik bei Herpichs
mit Jean Pauls Schichtbierfleisch

mit Pilzen im Pergament
mit Luftschiffers Gianozzos Glaspraline
mit Poetenschnittchen
und süffigen Braunbier vom Fass

 

Und man kann für private Feiern auch besondere Räume anmieten:

 Der Jean Paul Salon sind die ehemaligen Wohnräume des Dichterfürsten und wurden nach strengen Denkmalschutz-Auflagen renoviert. Der Jean Paul Salon besteht aus 3 Räumen, die einzeln oder zusammen gebucht werden können. Wenn Sie alle Türen öffnen, haben Sie viel Platz für offene Gesellschaften und unvergessliche Gastlichkeit. Bis zu 50 Personen.

Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 122 "Jean Paul und sein Kardinalfreund" an der Friedrichstraße 10 in Bayreuth
Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 122 "Jean Paul und sein Kardinalfreund" an der Friedrichstraße 10 in Bayreuth

Jean Paul und sein Kardinalfreund

 

Emanuel Osmund

 

Schon lange bevor Jean Paul nach Bayreuth zog, lernte er 1793 den besten Freund seines Lebens kennen, der selber u.a. in der Friedrichstraße 8 wohnte, während Jean Paul 1808 - 1811 hier in Haus Nr. 10 und 1813 - 1825 in der Friedrichstraße 5 in seiner Nähe blieb.

Emanuel Samuel (später Osmund, geb. 1766 in Altenkunstadt, gest. 1842 in Bayreuth) war gläubiger Jude und erfolgreicher Kaufmann und Bankier - und als Herzensfreund ein Mensch, der viele Wünsche des Dichters erfüllte, etwa zahlreiche Bierlieferungen.

Antisemitismus gab es damals schon und so wurde er 1792 von zwei Bayreuther Offizieren misshandelt und blieb von da an schwerhörig.

 

Eine solche Seelenfreundschaft zwischen Christ und Jude war also eine Seltenheit. Die Freundin Charlotte von Kalb wünschte, dass alle Christen wie dieser Jude seien.

1813, als die bayerischen Juden per Gesetz Nachnamen vorweisen mussten, suchte Jean Paul seinem Freund den Nachnamen "Osmund" aus dem Lexikon heraus, worüber dieser sich mokierte:

"Kann ich nur das Maul zur rechten Zeit halten, so werden mir meine zwei Munde nichts schaden, umso weniger, als unser Richter mir diesen Namen gegeben."

Und hier Jean Paul im Zitat:

 

Ich und Sie gehören zusammen - unsere Bekanntschaft ist kurz, aber unsere Verwandschaft ewig. (30.10.1794)

 

Was mir an Ihrem Tagebuche außer dem philosophierenden Geiste darin so wohltat, ist Ihre Toleranz mit allen Menschen, mit ihren Schwächen, mit fremden Schlägen, mit eigenen Schmerzen. (9.2.1795)

 

Ich wünschte mir, Sie teilten statt einzelner Samenperlen Ihrer Rabbinen eine ganze Halsschnur in Druckpapier eingewickelt zu.

Leider hab ich mehr über die Juden gelesen als von den Juden gelesen ...

Ich beklag es, daß ich die Unterdrückten fast bloß aus dem Mund der Unterdrücker kenne ... (3. und 15.4. 1795)

 

Ihnen habe ich nicht bloß Freuden, sondern auch Menschen zu danken.

Möge auch Ihnen der Himmel immer beide geben, da sie mit einer Wärme lieben,

die zu gut ist für die aus Eisbergen gehauenen Menschenstatuen um uns her. (5.5.1795)

 

Sie bleiben mein und ich Ihr mit frohen Flügeln über den Eckstein des Lebens wegflatternder Freund. (11.7.1795)

 

Möge Gott Ihnen von den Freuden, die Sie andern geben und wünschen, recht viele in Ihr Herz zurückkehren lassen ...

Meine ganze Seele liebt Sie unveränderlich, heiß, fest und ewig! (26.6.1813)

Seit dem Kennlernen geht es zwischen den Freunden ständig hin und her. Nach der Hochzeit 1801 zieht Jean Paul mit seiner Frau Karoline nach Meiningen, dort bekommen sie ihr erstens Kind, Tochter Emma. 1803 ziehen sie nach Coburg um und Sohn Max wird geboren. Emanuel sorgt nicht nur für die Bierlieferungen dorthin, sondern kümmert sich später auch um eine Wohnung für die junge Familie in Bayreuth, als der Entschluß feststeht, in die Nähe der Freunde Emanuel und Otto und der Quelle des guten Bieres zu ziehen. Alle Parteien können den Umzug kaum mehr erwarten.

 

Bayreuth und Bier, ich komme!

 

Bei Philipp Hausser ist zu lesen:

"Die Ankunft einer der letzten Bierfuhren aus Bayreuth weckt neben Entzücken sogar gute Vorsätze: 'Aber bin ich nur einmal in Bayreuth: so soll ein ganz anderes Mäßigkeits-System anfangen. Himmel, wie werd' ich trinken, und doch mäßig!-'

 

Beide Freunde bieten Bayreuther Wohnungen an. Emanuels Logis mit dem Garten will er wählen. Dann gefällt ihm ein Mansarden-Quartier am Main besser, wenn keine Stubenmauer darin schief und es unter dem Dache nicht zu heiß sei. Niedliche, lichte, lustige Zimmer wie in Meiningen will er haben. Aber nur mieten, nur zu, wenn man vom Fenster aus Berge sehe! So schnell finden die Freunde nichts Passendes. Sie kennen den Mieter, der dann in Bayreuth siebenmal umziehen soll. Richter mahnt, er müsse am 1. August - wo nach der alten Sage der Teufel vom Himmel gefallen sei - das Quartier beziehen, das man ihm leider noch nicht habe machen können. Man schreibt schon den 21. Juni.

 

'Lieber Emanuel! und Hiob! Die Hiobspost des Logis martert Sie und mich. Ich bleibe nicht hier und sollte mich die Noth nach Nürnberg oder Erlang[en] jagen. Könnte man denn auf meine Kosten die Frage ins Zeitungsblatt inserieren? Thuts! - Eine Magd - bei Gott, es ist zu arg - brauchen wir auch; da die Mutter ihre herrliche Tochter mit einem Madonnengesicht ... und mit einem durchaus vollendeten Betragen nicht mitziehen lässet.'

 

'Ich bitt' um Quartier', fleht Richter am 26. Juni. Es wird höchste Zeit für eine Erlösung. Endlich am 21. Juli, kann sich Jean Paul erleichtert bei Emanuel bedanken:

'Lieber Alter! Nun ist denn alles ins Reine. Der Himmel gebe nur, daß wir Ihnen in Bayreuth nichts mehr zu machen brauchen als Vergnügen und sehr wenig Plage ... Ich wollte, mir würde von der ehrsamen Bierbräumeisterei ein Deputatus mit einem Schleifkännchen entgegengeschickt auf halbem Weg, um mich zu empfangen, so lechz' ich ...'

 

Emanuel, voller Ungeduld seine Richters erwartend, bittet inständig um weitere Beschäftigung bis zur Ankunft:

'Brauchen Sie denn  g a r  nichts, was man braucht? Caroline, sagen Sie!'

Natürlich benötigt man Emanuel. Er soll also Schränke mieten, eine Bettstelle für die Magd, für Richter selbst einen 'elenden, altväterischen, mit einer Schublade versehenen' Schreib- und Schmiertisch. 'Um Gottes Willen keinen verfluchten zarten Sekretär von Mahagony!' Er sei eben ein Möbelverächter, wobei er nur sein geschmackloses Kanapee ausnehme. Nach vier Wochen sei die Augenlust auch am schönsten Möbel vorüber. 'Ich kenne nur ein geschmackvolles, immer erfrischendes, gut fourniertes Möbel, die sogenannte Natur oder Erde.'

 

Am 12. August werde man in Bayreuth ankommen. Was in Coburg leider zurückbleiben müsse, sei der schöne Tintentopf. 'Das erste, was ich in Bayreuth mache, ist gute Dinte; nachher Karten und Besuche und Geld ... Mögen wir uns fröhlich wiederfinden und niemals fröhlich trennen!' 'Dann ists - Gott weiß, auf wie lange Zeit oder Ewigkeit - mit dem Briefstellen vorüber; und das Billetstellen (Briefchen oder Zettel schreiben) stellt sich ein.'

 

So köstlich!  Man kann sich den Richterischen-Emanuelschen Kosmos gut vorstellen. So war es also, als

"... Jean Paul mit Familie und Spitz am 12. August (1804) gegen vier Uhr nachmittags in der Kutsche einfuhr, den Packwagen hinter sich."

 

1804 - Jean Pauls 1. Wohnung in Bayreuth - Maxstraße 9

 

Jean Paul war in die älteste der drei damaligen Bayreuther Prachtstraßen gezogen, auf den Markt, in das Palais der Justizratswitwe Münch (jetzt Maxstraße 9). So begann und endete der Bayreuther Weg des Dichters in schönen Barockhäusern. ...

Bayreuth - Maxstraße 9, Jean Pauls 1. Wohnung in Bayreuth von 1804 bis 1805
Bayreuth - Maxstraße 9, Jean Pauls 1. Wohnung in Bayreuth von 1804 bis 1805

Jean Pauls Wohn-Chronologie folgend  - anders als der Weg durch die Stadt führt - ziehe ich hier nun Stationstafel 124 "Jean Paul und seine erste Wohnung" gegenüber der Maxstraße 9 vor:

Im herrschaftlichen Palais

 

Am 12. August 1804 zog der Dichter mit seiner hochschwangeren Frau Karoline Mayer, den Säuglingen Emma und Max und einem Spitz nach Bayreuth, zunächst in die Maxstraße 9, in das 1666 erbaute herrschaftliche Palais der Justizratswitwe Münch.

 

Hier bewohnte man sechs schöne hohe Zimmer und er zog sicher auch nach Bayreuth, weil hier seine beiden "Kardinalfreunde" Christian Otto und Emanuel Osmund wohnten, die ihm dieses Quartier vermittelt hatten. Für Bayreuth sprachen auch das gute Bier und die schöne Landschaft.

Schon am 13. August schrieb er an Emanuel:

"An Sie die erste Zeile in Bayreuth! Guten Morgen! Ich hatte einen noch besseren, denn erst heute seh' ich, wie herrlich mein Logis ist."

 

Im November kam die zweite Tochter Odilie hier zur Welt und in diesem Haus entstanden immerhin der 4. Band des Romans Flegeljahre und Teile der großen pädagogischen Schrift Levana.

 

Dies sollte jedoch nur die erste seiner zahlreichen Bayreuther Wohnungen sein. Schon 1805 zog er hier wieder aus.

Verschiedenen Versuchen, ihn für andere Städte zu erwärmen, stand er trotz der bis 1813 kriegsbedingten persönlichen Erschwernisse mit Einquartierung von französischen Soldaten ablehnend gegenüber, denn die Widrigkeiten hätten ihn auch andernorts erreicht. Frieden für längere Zeit fand er erst in der Friedrichstraße 5, im Haus der Bankiersfamilie Schwabacher, wo er von 1813 bis zu seinem Tod 1825 wohnte, Garten und Gartenlaube inclusive.

Insgesamt sollte Jean Paul siebenmal in Bayreuth umziehen.

 

Weiter bei Philipp Hausser:

"Karoline hatte der kleinen Kinder und ihres eigenen Zustandes wegen - der dritten Schwangerschaft - nicht höher als im ersten Stock wohnen wollen, und Emanuel hatte  i h r e n  Wunsch erfüllt, was die Verzögerung bei der Quartiersuche erklärt. Jean Pauls Bitte um Höhe und Blick auf Berge, um ein doppeltes Wolkenkuckucksheim, mußte da zurückstehen. Was an Möbeln brieflich erbeten war, wartete schon in den sechs hohen Zimmern und wurde durchs Mitgebrachte ergänzt. Alles muß in kärglichem Kontrast zu den hohen schönen Räumen gestanden haben. Karoline konnte sich auch außerhalb Jean Pauls armseliger Studierstube, die meist sogar ohne Vorhänge blieb, selbst in ihrem eigensten Reich gegen den Hofer Enge- und Bescheidenheitskomplex, den der Dichter für seine Person nie verlor, nicht durchsetzen. Teppiche kannte man ohnehin kaum. Die Weichholzdielen waren bestenfalls gestrichen, Parkett fand man nur in Residenzen. Geschnitzte, geschweifte Möbel des Rokoko wurden auch in Deutschland, mit dem Louis-Seize-Stil als Vorboten, mehr und mehr von den glatten, etwas steifen Biedermeiermöbeln abgelöst. [...].

Die Pracht eines Goethe-Hauses hatte Jean Paul regelrecht verschreckt; nicht einmal dem bescheidenen Schein von Wohlhabenheit in einem Schillerschen oder Wielanschen Domizil mochte er sich nähern. Es gibt zahllose Berichte interessierter oder auch enttäuschter Besucher darüber. Die Enttäuschung betraf auch den oft bespöttelten, nachlässigen Anzug, dem Richter nach den kleinen Mode-Eskapaden jüngerer Jahre treu blieb. Karoline mochte mahnen und flehen.

 

Natürlich mußten zunächst wieder Töpfe gekauft werden. Noch von Coburg aus hatte Jean Paul Emanuel über das zerbrechliche Gut geklagt:

'Mich jammerte von jeher bei unseren Nomadenzügen nichts mehr als das Zurücklassen der schönsten Tiegel und Töpfe. Dem Himmel sei Dank, daß noch die Nachttöpfe von Zinn sind und zu tranportieren.'

Eine Reise-Tintenfläschchen muß Richter noch mit nach Bayreuth genommen haben - das fleißig geübte Herstellen neuer Tinte, wegen deren kräftiger Farbe er sich immer wieder lobte, bedurfte einiger Wochen -; ..."

 

Am 14. November brannten dann in der Bayreuther Vorstadt mehrere Häuser ab, worüber Jean Paul sein tiefstes Mitgefühl für die immer mehr verarmenden Mieter ausdrückt. (Wie auf Stationstafel  115 "Jean Paul und der Adel"  bereits zitiert wurde.)

 

Soviel Jammer!

 

Vieles ergibt sich nicht so, wie alle es erhofft hatten. Die Kinder werden krank, besonders die kleinste Tochter Odilie. Woher medizinische Hilfe kriegen und was wäre überhaupt die richtige Therapie? Jean Paul erwartet Zahlungen, die nicht eintreffen. Es gibt viel Streit mit Karoline und die Arbeit will auch nicht vorangehen. Und dann auch noch:

 

"Des Jammers ist kein Ende. Der alte, kranke Spitz des Dichters war blind geworden und verirrte sich, kam wieder und lief endgültig weg. Dazwischen kaufte Emanuel geschwind einen Kanarienvogel - 'er singt himmlisch' - um den Freund von einem neuen Hund abzuhalten, weil er dachte: 'Wer eine so liebenswürdige Karoline (die keinen Hund leiden kann), drei dergleichen Kinder und einen singenden Kanarienvogel hat, könnte wohl einen Spitz entbehren. Der Heinrich mußte aber gestern schon einen Spitz für zwei Gulden beschaffen. (P.S. der alte ist wieder da, also zwei.)' Die Gewöhnung an den neuen Hund fiel schwer. ..."

(Philipp Hausser)

 

Eigentlich der ganz normale Wahnsinn einer jungen Familie mit noch ganz kleinen Kindern. Gott-sei-Dank kann er niemand etwas wirklich anhaben, denn sie haben Emanuel und die Billets:

"... Aus den zahllosen Billets an Emanuel spricht die alte Herzlichkeit. Umgekehrt gehen immer Geschenke, die ersten Früchte, Blumenkörbchen an Karoline und die Kinder. Die Kleinen empfinden es gar als höchstes Glück, auf Emanuels Kanapee für ein paar Stunden abgeliefert zu werden. ..."

(Philipp Hausser)

 

Dann wird es Sommer 1805.

 

Ein für Jean Paul sehr wichtiger Besuch kündigt sich an ...

"... Die Königin Luise kommt mit ihrem einsilbigen Friedrich Wilhelm nach Bayreuth und besucht die Luxburg bei Wunsiedel, die erst seither der Königin Namen trägt.

 

Die 12. Etappe "Die große Ode" erzählt auch von der Geschichte dieses Besuches und auf Stationstafel 63 ist die Ode zu lesen..

 

"... Richter hat noch immer keine Pension, keinerlei Sicherung für die Familie. Man kann verstehen, daß er auf 'strenge Ökonomie' halten muß. Minister Hardenberg, alter Bekannter aus der Berliner Zeit, begleitet die allerhöchsten Herrschaften. Das ganze Fürstentum ist in Aufregung, und auch Jean Paul beteiligt sich an den schier nachbarocken Huldigungsspielen, mit denen man das Paar in der Luxburg besingt, mit einem 'Wechselgesang der Oreaden und Najaden', der aus den Felsenklüften tönt. Er hatte auch den Einfall gehabt, Thieriots (Paul Emil Thieriot, Violinist, Philologe und "leicht versponnener" Freund Jean Pauls) Geige dort tönen zu lassen, und wollte den Freund aus Offenbach holen, damit er den König 'auf den zwei höchsten Bergen um Wonsiedel, die er samt Suite und Königin besteigt, mit einer wahren erhebenden Bergmusik ... überraschen könne. Durch Hardenberg könnt' er alle so karten. Doch man mußte sich mit der Antwort begnügen, es sei kein Geld da, um Tieriot zu bezahlen.

Am Festtage wurde Jean Paul, der durch seine Aufgabe endlich wieder nach Wunsiedel gekommen war, nach der Mittagstafel durch Hardenberg dem König und der Königin präsentiert. Man kann sich ebenso vorstellen, was der amusische König beim Anblick des Dichters dachte, wie, daß er trotz der gütigen Königin (deren Hochzeitsgeschenk, ein silbernes Kaffee-Service [das übrigens die Ur-Ur-Enkelin Jean Pauls, Adele Metzner, 2010 dem Jean Paul Museum gestiftet hat], sich in der kärglichen Bayreuther Wohnung kaum wohlfühlen konnte) von einer Pension keine Rede war. ..."

(Philipp Hausser)

 

Jean Paul drücken also finanzielle Sorgen.

 

"... Zudem war er mit seiner Hauswirtin, der Justizrätin Münch, uneins geworden und hatte das Quartier wechseln müssen. Die alte Dame hat sicher nicht gewußt, wie sie der Dichter in seinen 'Bemerkungen' verewigt hat: 'die gemeinen Seelen (z.B. die Münch), die Jahrzehnte lange in einerlei Perspektive des Erbärmlichen fortkrochen, finden eine wahre Wirklichkeit der Poesie, wenn sie nur in der Wirklichkeit plötzlich höher aufgerückt werden und z.B. einen Hof erblicken ...'

 

Auf einem kurzen Umweg über ein 'schlechtes Logis vor der Stadt' am Weg nach der Eremitage zog Richter am 23. Juli 1805 in die Vorstadt Dürschnitz zum Registrator Schramm (Richard-Wagner-Straße 58, inzwischen abgerissen). Jetzt konnte er ein wenig die Berge sehen. ..."

(Philipp Hausser)

 

1805 - Jean Pauls 2. und 3. Wohnung in Bayreuth - "von einem schlechten Logis" in die Vorstadt Dürschnitz

 

Um genau diese Zeit, so ab 1804, besser zu verstehen, gibt es jetzt einen Mini-Ausflug in die Geschichte. Was war gerade los in Europa?

Erinnern wir uns, im Jahr 1789 fand am 14. Juli der Sturm auf die Bastille statt, das berüchtigte Staatsgefängnis von Paris. Das arme, hungernde, rechtelose Volk wehrt sich gegen den absolutistischen, feudalen Staat, in dem der König der Staat ist. Das ist der Auftakt zur zehn Jahre andauernden Französischen Revolution.

Es geht um alles, um d i e  Menschenrechte, um Demokratie, um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das fordert die Abschaffung der Monarchie. Es ist Schluss mit dem Adel, dem alles gehört, der satt ist, der keine Steuern zahlt, der nicht arbeitet aber alle politischen Ämter besetzt.

Jetzt ist Schluss mit dem "Verarschen" des Volkes - man verzeihe mir diesen Ausdruck. Jetzt ist Zeit für Aufklärung.

Bildung, Wissenschaft, Forschung, rationales Denken, Toleranz, Naturrechte, Menschenrechte, Bürgerrechte, alles für alle, das hat Vorrang vor allem. Eine neue Staatsform der Gleichberechtigung soll das durchsetzen: die Demokratie. Frankreich wird eine Republik. Das Volk  w ä h l t  seine Regierung. Kaum gab es ein größeres, wirkungsvolleres, umwälzenderes historisches Ereignis in der europäischen Geschichte.

 

Napoleon und das Schicksal Preußens

 

Dann, zur gleichen Zeit, im Zuge dieser Revolution, entwickelte sich sozusagen parallel im Militär, ein kleiner Emporkömmling ganz prächtig: Napoleon Bonaparte (er hat auch noch am gleichen Tag Geburtstag wie ich, am 15. August). Durch einen Staatstreich wurde Napoleon als Erster Konsul zum Alleinherrscher von Frankreich. Dann vom General zum revolutionären Diktator und zum Kaiser. Zu dem hat er sich 1804 selbst gekrönt. Echt ordentlich!

Zwar brachte er Frankreich wirtschaftlich nach vorne, gründete eine Staatsbank und ein modernes Rechtssystem, duldete jedoch keinen Widerspruch, wen wunderts.  Und  dann kam es, wie es kommen musste, der Kaiser wollte mehr. Er wollte jetzt die Vorherrschaft in Europa und zog in mehr als sechzig Feldzügen durch den Kontinent als  S ie g e r  vom Schlachtfeld. Die Großmächte, gegen die er kämpfte - Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien - schlossen sich immer wieder in Kriegs-Koaltionen zusammen, blieben zunächst jedoch erfolglos. In der legendären Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806 mussten die Preußen eine verheerende Niederlage hinnehmen und im Folgenden mussten schwere Veränderungen mit und in ihren Kleinstaate hinnehmen ...

 

Dennoch, Jahre später, machte auch der große Napoleon schlapp, 1812 wurde ihm der Russlandfeldzug zum Verhängnis, Großbritannien hatte eine Flotte ins Meer gestellt und eine Armee in Spanien, usw. ... man fomierte sich in den Befreiungskriegen gegen Frankreich und vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kam es in der Völkerschlacht bei Leipzig zur entscheidenen Niederlage Napoleons. Das Ende kennt man. Verbannung auf Elba, 1815 Rückkehr nach Paris, hundert Tage hielt sein neuer Macht-Vorstoß, ein Versuch wars wert. Dann aber die Schlacht von Waterloo, einem Dörfchen bei Brüssel und seine totale Niederlage. Von den Briten wurde er als Kriegsgefangener auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.

 

Noch war das Fürstentum Bayreuth preußisch ...

 

Kommen wir nun zurück zum Jahr 1806, zum Städtchen Bayreuth, zu Jean Pauls Bayreuth. Es war ein Fürstentum und unterstand dem Markgrafentum Brandenburg. Man erinnere sich: deswegen war ja auch die Markgräfin Wilhelme von Preußen, geboren in Potsdam, da.

 

Die politischen Ereignisse haben der Dichter und die Menschen in Bayreuth natürlich auch mitgekriegt. Es gab Zeitungen, Illustrierte, es wurde diskutiert, Soldaten zogen durch die Stadt, besetzten sie und wurden einquartiert. Zunächst waren es französische Truppen, dann Einheiten des des sogenannten Rheinbundes, einem von dem Eroberer Napoleon erzwungenen militärischen Bündnisses deutscher Staaten mit Frankreich.

 

Jean Paul wollte oder musste wieder umziehen. Er überlegte, ob ein Wegzug aus Bayreuth, nach München oder Leipzig zum Beispiel, helfen könnte, irgendwie den Kriegswirren zu entkommen. Immer wieder wurden Soldaten und Invaliden in den privaten Wohnungen der Bölkerung zwangsweise einquartiert. Zudem wurden hohe Kontributionszahlungen verlangt. Das heißt, in den von Napoleon besiegten und besetzten Gebieten wurden Geld und Gold zur Finanzierung und Versorgung der Truppen erpresst oder beschlagnahmt. Jean Paul stellte fest, dass es nichts bringen würde, die Stadt zu verlassen. Womöglich käme er vom Regen in die Traufe.

 

1806 - Jean Pauls 4. Wohnung in Bayreuth - Steinstraße (heute Kulmbacher Straße)

 

Aus Philipp Hausser:

"... Richters zogen nicht nach Leipzig und nicht nach München, sondern am 1. Oktober aus der  Dürschnitz (ein Stadtteil Bayreuths) in die Steinstraße [Kulmbachr Straße]. So war Jean Paul zunächst wohl nicht unmittelbar beim Einmarsch der französischen Truppen zugegen, die am 7. Oktober, einem prachtvollen Herbsttag, von der Dürschnitz her die Stadt besetzten; Einheiten des Rheinbundes folgten ihnen [...] Jean Paul schreibt: 'Erst nachdem ich mich aufgeweckt, sah ich, daß ich von niemand wach geworden als von neuen französischen Regimentern, die mich unter General Soult vor meinen Fenstern in der Baireuter Steinstraße mit Feldmusik aufgeweckt hatten ...' [...]

Der Kampf gegen die Einquartierung blieb der gleiche. An Emanuel gingen die alten Sorgen.[...] Daß am 15. Oktober die Schlacht bei Jena wieder die Landkarte veränderte, wurde bei dem Jahre andauernden Länder-Pfänderspiel weniger wichtig genommen ..."

 

Die Kinder kränkeln wieder und Jean Paul nimmt zu. Und schon ziehen die Richters wieder um.

 

1807 - Jean Pauls 5. Wohnung in Bayreuth - wieder in die alte Mansardenwohnung in der Vorstadt Dürschnitz

 

Also wieder in die alte, enge, aber gemütliche Mansarde bei Registrator Schramm in der Dürschnitz. Aber genau in dieser kleinen Wohnung müssen sie doch noch Einquartierungen über sich ergehenen lassen. Die ganze Familie mit den Kindern und dazu noch fremde Menschen, Männer, wie soll da ein Dichter arbeiten können? Jean Paul kauft ein Klavier, das ihm Emanuel vermittelt. Der Billet-Verkehr bleibt rege.

"... 'Den guten Morgen, den ich habe, eigentlich wieder durch Sie! Nämlich ich und meine Frau sind in Entzücken über die Sphärenmusik, die wir bei Schuckmann (der das Klavier verkauft hat) gekauft. Kommen Sie nur, Herrlicher, nur aber lieber gegen 6 Uhr, weil vorher das Instrument gestimmt wird.'

Über Jean Pauls - je nach Empfinden des Zuhörers - 'himmliches Phantasieren' oder gräßliches Wüten am Klavier war die Meinung geteilt. ..." (Hausser)

 

1808 - Jean Pauls 6. Wohnung in Bayreuth - Friedrichstraße 10

 

Ein erneuter Umzug steht an. Dieses Mal zum Justizkommissar Fischer in die Friedrichstraße 10, ganz in die Nähe von Emanuel.

 

"Von nun ab liefen die Kinder nicht nur als Postillions über die Straße, sondern verbrachten halbe Tage auf Emanuels Kanapee. Durch den Umzug war Max' und Odiliens Geburtstag am 9. November vergessen worden, von Emanuel keineswegs. Unter dem neuen Dach glomm wieder ein Streitfunken über den Eheleuten. Er war erloschen, als Jean Paul seiner Karoline Zettelchen aus seinem Arbeitszimmer sandte: 'Liebe! Ob ich gleich alles für Recht halte in der Minute, was ich sage, so hab' ich doch Schmerz erregt und Unrecht gethan. Könnt' ich die Wirkung meiner Explosionen berechnen: so unterblieben sie. Am wenigsten möcht' ich Thränen in die Augen bringen, aus denen ich sie sonst abgetrocknet. Wollen wir also froh sein in einer so kurzen und bedenklichen Zeit.'

Natürlich war Emanuel wieder der Ruhestifter gewesen und mußte benachrichtigt werden: '...übrigens ist zwischen mir und Caroline alles wieder im ältesten Gleise, nämlich im Guten.' 

 

Weihnachten 1808 stand bevor. Emanuel mußte Puppen für die Töchter besorgen; denn die guten Puppen sind so selten in Bayreuth [...]'. Karoline erhielt ein Briefchen:

'An mein gutes Weib. Dein Weihnachtsgeschenk sei ein gutes, warmes Hauskleid, das Du durchaus nach Deiner Phantasie am Montage kaufst - und ein guter warmer Haus- und Ehemann; und Deine Kinder mögen meine Fehler vergüten. Dein alter liebender Ehemann Richter.' ..."

 

Jean Pauls "Friedenspredigt", "Feldprediger Schmelzle", "Dr. Katzenbergers Badereise" und "Leben Filbels" erscheinen.

Nachdem Königin Luise und ihr Preußenkönig das Thema Pension einfach ignoriert hatten, gibt Jean Paul die Hoffnung auf eine solche aber nicht auf. In diesem Jahr schreibt er deswegen "... an einen Fürsten, der nicht weniger Einfluß hat als der Preußenkönig, bei dem er aber auf mehr Verständnis hoffen kann. Der Fürst ist ein Mann der Wissenschaften und der schönen Künste, Freund Wielands, Schillers, Goethes, Vertreter der kirchlichen Aufklärung, Verfasser von 35 Werken über Staatslehre, Geschichte, Bildende Kunst, Ästhetik, Ethik, Naturwissenschaften, dazu aber auch, in erster Linie Staatsmann: ein Philosoph auf dem Thron sozusagen. ..."

(aus Günter de Bruyn)

Der Fürst ist Karl Theodor Reichsfreiherr von und zu Dalberg.

Karl Theodor Freiherr von und zu Dalberg, Gemälde von Fanz Stirnbrand
Karl Theodor Freiherr von und zu Dalberg, Gemälde von Fanz Stirnbrand

Dann, 1809 erhält Jean Paul endlich eine Pension!

 

Aus Günter de Bruyn:

"... Denn Karl Theodor Reichsfreiherr von und zu Dalberg, so sein Name, ist ein Vertrauter Napoleons, hat von der Zukunft Deutschlands ähnliche Vorstellungen wie Goethe und Jean Paul und wird vom französischen Kaiser zum Fürst-Primas (eine Art Präsident) des Rheinbundes gemacht, dem seit 1808 alle deutschen Staaten außer Preußen und Österreich angehörten. Er ist also formell  die höchste Amtsperson des Staatenbundes, in dem Jean Paul nicht ungern lebt, wenn er auch wirkliche Macht nur in Frankfurt ausübt. Und dieser Mann antwortet Jean Paul prompt, macht ihn zum Ehrenmitglied der von ihm in Frankfurt gegründeten gelehrten Gesellschaft 'Museum' und setzt ihm eine Rente von 1000 Gulden jährlich aus, die er aus seiner Privatschatulle bestreitet. ..."

 

1809 - Es wird "... ein schlimmes Jahr für Bayreuth. Der lang befürchtete Krieg Napoleons gegen Österreich bricht aus. Die Stadt wird vorübergehend von den Österreichern und ihren Verbündeten besetzt ...[...]. Es fließt nur wenig Blut, aber die Kriegslasten, die auf die arme Stadt gewälzt werden, sind ungeheuer [...]. Jean Paul wird von alledem sicher berührt, aber es gibt über die wiederholte, eiferlose Klage wegen der leidigen Einquartierungen hinaus kaum Äußerungen darüber. Brummt er einmal lauter, so begütigt Emanuel wie im Januar 1809: 'Aber im Ernst , welcher Teufel reitet Sie denn seit einiger Zeit, und läßt sie mit uns Armen so unzufrieden sein?'

(Hausser)

 

1810  - Das preußische Fürstentum Bayreuth wird vom Königreich Bayern einverleibt

 

Schon seit 1806 war Bayreuth bereits von französischen Truppen besetzt. Das Fürstentum war ja von Napoleon erobert worden, sozusagen. Der französische Kaiser betrachtete das Fürstentum aber lediglich als pays reservés, einem Gebiet also, das er sich für zukünftige Tauschhandlungen in Reserve hielt. Und so konnte er es nach mehreren Verhandlungen schließlich für 15 Millionen Francs ans Königreich Bayern verkaufen. Somit endete die Existenz des Fürstentums Bayreuth.

 

"... Durch unnötige Mißverständnisse, wie durch ein Nichts entsteht ein Zwist zwischen Emanuel und Jean Paul. Es herrscht Stille zwischen den Freunden, die "Zwergpackträger" laufen mit Zettelchen zwar immer noch über die Straße, aber nur zu Otto, der jetzt die doppelte Anzahl der Billets erhält. Die beiden Verstimmten leiden. Es dauert Monate, doch dann:

"Die Frühlingsluft läßt auch das Eis zwischen Emanuel und Jean Paul schmelzen: 'Willkommen, Wiedergekommener! ... Seltsam ist der Mensch; schon vor Ihrer Abreise wollt' ich Sie besuchen; aber noch immer heb' ich diese Minute, wie ein Winter den Frühling in mir auf, halb auch aus Angst, Sie nachmittags nicht allein zu finden ...' Die Zeitungsträger, deren er - Jean Paul - sich 'genug dazu gezeugt' habe, traben nun wieder mehrmals täglich über die Friedrichstraße. 

Im Juni wird mit Kind und Kegel das Exaudi-Fest (6. Sonntag nach Ostern) gefeiert. Richters Programm an Otto:

'1. Sämtliche Herrschaften speisen in der hölzernen Stiftshütte (kleiner Bau im Garten der Rollwenzelei) neben der Rollwenzelei -

2. Nach dem Essen erheben sie sich nach Kohlendorf (Colmdorf) zum Kaffee - ein Paar vorher auf der Treppe ins Bett -

3. Nachmittags rückt aus Bayreuth die lange Reserve-Armee von Kindern in Kohlendorf ein

4. Abends geht man nach Haus - und Du doch auch?' ..." (Hausser)

 

Ach, und dann, Jean Pauls Ehe wird immer schlimmer. "... Ende Juli stürzt Jean Paul in ein neues Gefecht mit Karoline und schließlich gar in den Main. Diesmal ist es aber so arg, daß er sich beim Schwiegervater in Berlin rechtfertigt. Emma war kränklich. Der Vater nahm sie wohl zu in seinem Sinne besserer Pflege in sein Zimmer, so daß die aufgelöste Mutter die Tür aufbrach. '... die schwarze Idee der Scheidung wurde mir immer lichter. Ein Engel in Gesellschaft, gegen Mann, Kinder und Hausgenossen eine Furie.' ..." (Hausser)

 

Jean Paul war bei seinem Freund Otto und suchte Trost. Nachts auf dem Nachhauseweg stürzte er in den Main, der gerade Hochwasser führte. Er konnte sich gerade noch ans Ufer retten. Seinen Hut fand man nächsten Morgen auf dem anderen Ufer, "seine Bücher kamen an der Mühle gemahlen an" ...

Überhaupt flieht er zur Zeit auch gerne, unternimmt wieder Reisen. Wie zum Beispiel nach Bamberg, wo er den Verleger E.T.A. Hoffmanns trifft, dann 1811 nach Erlangen. Der Dichter genießt den dortigen Menschenschlag, sie lesen Bücher! und die Lebensmittel sind besser und billiger. Karoline reist für längere Zeit mit Tochter Emma zu ihrer Schwester nach Altenburg. Da Karoline auch für Jean Paul Schreibarbeiten erledigt hatte, fehlt sie ihm jetzt. Emanuel hilft ihm mit einem Herrn Welzel aus, der wesentllich weniger Fehler macht.

 

Karoline kehrt wieder zurück.

 

Dann droht wieder ein neuer Wohnungswechsel. Finanzrätin Georg will zu ihrem Schwager Fischer, dem jetzigen Vermieter Jean Pauls in der Friedrichstraße, ziehen. Das heißt "Auszug" für die Familie.

 

1811 - Jean Pauls 7. Wohnung in Bayreuth - Maxstraße 16

 

Bayreuth, Maxstraße 16 heute, gleich neben Alten Schloss, heute Finanzamt. Jean Paul wohnte hier von 1811 bis 1813.
Bayreuth, Maxstraße 16 heute, gleich neben dem Alten Schloss, heute Finanzamt. Jean Paul wohnte hier von 1811 bis 1813.

Mit "rechtem Getöse" ziehen die Richters um, jetzt in die Maxtraße 16, der Schloß-Apotheke am Markt, zum Apotheker Braun. Sie wohnten nun über den kinderreichen Seebecks in der Mansarde. Zu den Seebecks und ihren sechs Kindern (später acht) hatten sie ein gutes Verhältnis, man unternahm gemeinsame Ausflüge, was Jean Paul sehr genoss.

 

Johann Thomas Seebeck, 1770 im heutigen Tallinn geboren, war Mediziner, Physiker, Naturwissenschaftler, Erfinder, Experte für Photovoltaik und Lichtstreuung, war Entdecker des thermoelektrischen Effektes (Seebeck-Effekt). Er kannte Hegel und Goethe, an dessen Farbenlehre er großen Anteil hatte. Die Familie Seebeck war finanziell unabhängig. Sie wohnte ab 1810 im selben Haus wie Jean Paul und zog 1812 nach Nürnberg.

Die Richterische Ehe kriselt jedoch weiterhin. Die Freunde Otto, Emanuel und jetzt auch Seebeck ließen gerne mal einen Tisch bei der mittlerweile entdeckten Rollwenzelin reservieren, ohne Weiber versteht sich.

 

1812 - der Krieg gegen Rußland droht, in Bayreuth herrscht wieder vermehrtes Truppenaufkommen. Das bedeutet neue Einquartierungen. "... im Februar steht wieder einmal ein Soldat vor Jean Pauls Türe. Seebeck, ein Stockwerk tiefer, blieb noch verschont. Richter wurde von einem Polizeidiener ins Rathaus geladen, weil er sich über die neuerliche Belastung beim Königlichen Kreis-Kommissariat beschwert hatte. ..." (Hauser)

Die Einquartierungen und der "zeitfressende Adel" machen Jean Paul das "bücherdürtige" Bayreuth immer madiger. Am liebsten würde er jetzt nach Nürnberg umziehen, sowie schon die Seebecks. Aber da würden ihm doch seine inniglichsten und lanjährigen Freunde fehlen, die er in Bayreuth hat.

 

Napoleon unterliegt im Rußlandfeldzug. Später dann war der französische Kaiser selbst sogar zweimal kurz in Bayreuth, Truppen ziehen hin und her, mal die einen dorthin, dann die anderen da hin, es hört nicht auf. Jean Paul nimmt kaum mehr Notiz davon. Etwas anderes kratzte ganz gewaltig an seinem Gemüt, ein drohender Gerichtsprozess mit seinem Vermieter, dem Apotherker Braun und seiner Magd, den er gerade noch mit einem "Rückzug" verhindern konnte.:

"Jean Paul war sicher mit Recht der Meinung gewesen, daß Brauns Magd seinen Keller, den Weinkeller besonders, plündere. Der Ruf der Person war schon vorher miserabel. Richters Wunsch, die Magd 'abzudanken (nicht fortzujagen)', ihr also zu kündigen, wurde von Braun nicht erfüllt, vielmehr darin verkehrt, daß er der Familie Richter kündigte. (Seebecks waren schon nach Nürnberg gezogen.)

Jean Paul hatte gmeint, das Beste sei doch fort, 'nämlich über 100 ausgesuchte Bier- und Weinkörke, der Flaschen und des Inhalts nicht einmal zu gedenken', mußte aber schließlich noch dies bezeichnende Zeugnis für die Magd ausstellen: 'Ich bezeuge hiemit, daß Katharina Hofknechtin mir nichts entwendet hat, was ich ihr im Geringsten gerichtlich nachzuweisen vermöchte, und daß der bisherige Argwohn ein Mißverständnis geblieben.'

 

'So wird mir denn von Bestien ein Tag nach dem anderen gestohlen oder versäuert, mir, der ich keinem Menschen übel will und nur im Wissen und Schreiben lebe', grollt Richter (an Otto). Braun, der 'rachsüchtige Schurke', wie man ihn jetzt auch von anderen nennen höre, wollte die verfrüht bezogene Wohnung noch dazu vor dem üblichen Wechseltermin Martini geräumt haben.

Doch diesmal bezog der Apotheker den kürzeren. Ein gewisser Witz liegt in der Tasache, daß Jean Paul schon damals erfüllt war von der Arbeit an seinem 'Anit-Titan', dem komischenen "Komet"-Roman, in dem ein Apotheker eine bedeutende Rolle spielt. Zu diesem Beruf hatte sich der Dichter angemerkt, daß  d i e  Menschen am närrischsten werden, von denen es nicht viele in ihrem Stand gebe, z.B. Apotheker. Auch Braun geht in Jean Pauls 'Bemerkungen über den Mensch ein'. ..." (Hausser)

 

Im November 1813, zu Martini zieht Jean Paul dann doch um, in seine geliebte Friedrichstraße, wieder in die direkte Nachbarschaft zu Emanuel,  dieses Mal in die Friedrichstraße 5.

 

1813 - Jean Pauls 8. und letzte Wohnung in Bayreuth - Friedrichstraße 5

 

Bayreuth, Friedrichstraße 5, rechte Haushälfte. Im zweiten Stock wohnte Jean Paul von 1813 bis zu seinem Tod 1825.
Bayreuth, Friedrichstraße 5, rechte Haushälfte. Im zweiten Stock wohnte Jean Paul von 1813 bis zu seinem Tod 1825.

Richters Bitte an Emanuel vor dem Umzug: "... 'Wünschen Sie mir, daß die Ausziehwoche von einem Feinde zum anderen - vielleicht mitten unter Freunden oder alliierten Truppen - überstanden sei.' Und als es vorbei war, die zufriedene Mitteilung an Otto: 'Das Ausziehen in meinen Sitz der Seeligen hindere mich, den armen Preußen so viel zu schicken als ich gestern an die noch ärmeren Russen an Branntwein und Taback und Semmeln vertheilte.' ..." (Hausser)

Man muss noch erwähnen, dass damalige Umzüge nicht vergleichbar sind mit heutigen. Jean Paul hatte viele Möbel gemietet, ein Hausrat war viel kleiner, der Mensch hatte nicht zehntausend Dinge. Der Dichter besaß gar nicht so viele Bücher, da er sich lieber welche auslieh oder Bibliotheken besuchte. Lediglich seine Exzerpte, Zettel und Notizen wohnten reichlich, dauerhaft und gerne in seinem Studierzimmer.

 

Nach langer bayreuthischer Irrfahrt war der Dichter mit seiner Familie endlich Zuhause angekommen. Der arme Jean Paul, was musste er, dem ein geborgenes Stubenglück so wichtig war, doch alles an verlorener Suche ertragen.

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