18. Wie soll das wieder heile werden?

Von Rodungsarbeiten zerstörter Forst
Bischofsgrün - Entenmühle

Bischofsgrün - Entenmühle


Verlauf der Etappe auf einer Karte nachschauen bei Literaturportal Bayern.

Gewandert sind wir am Mittwoch, den 22. August 2012.

 

Heute Nacht gab es endlich das erlösende Gewitter. Hier in Nagel hört man Wetter von Weitem. Wegen des Sees, meint Peter. Da ist es wieder, das Thema "Grenzflächenmikrofon". Der See bildet eine schallreflektierende Fläche, verteilt die akustischen Signale störungsfreier und verstärkt sie so. Stimmt das so? Frage ich Peter ... Antwort folgt noch.

 

Nun denn, ich finde Gewitter äußerst gemütlich. Wie schön, dass man es hier auch noch besonders laut hört. Die Fenster in unserer neuen Ferienwohnung im Erdgeschoss sind groß. So haben wir eine gute Aussicht auf den Garten des Hauses. Die Bäume triefen, ihre Äste hängen fast bis in unser Schlafzimmer hinein. Regenduft verströmt sich überall. Die Natur hatte so lange auf den Regen gewartet, jetzt macht er sie satt.

 

Nein vor Gewittern habe ich keine Gespensterfurcht, hatte sie auch als Kind nicht, weiß nicht warum. Aber vor dem dunklen Kohlenkeller schon. In dunkle Ecken fantasiert unser Gehirn schnell Lückenfüller. Gut eignen sich hierfür Monster oder Götter. Da wo wir nichts sehen, dichten wir hinein.

Heute ist für mich Furcht nichts Schlimmes, dagegen Angst schon. Sie kommt nicht mit dunklen Ecken einher, sie wohnt überall in unserer Seele, in jeder Ecke. Wütet, auch wenn wir sie gar nicht bemerken. Sie wird immer von anderen hineingepflanzt. Es entsteht die Angst vor Scham. Es ist eigentlich immer die Angst vor Scham. Wieso eigentlich diese scheiß Scham? Religion produziert sie, Nachbarn, die Schule, die Gesellschaft mit ihrem Statusdenken, Mobber nutzen sie als ihr Instrument. Beschäme jemanden und er geht nicht mehr aus dem Haus. So einfach geht Macht. Dafür braucht man kein Geld, nicht einmal sichtbare Gewalt, keine Bildung, nicht einmal Freunde, oder bessser gesagt Mittäter. Man kann es einfach machen, einfach sich in die Gefühlswelt eines anderen einnisten. Aber jetzt habe ich keine Lust mehr, über dieses Thema zu schreiben, irgendwie nicht.

 

Peter muss heute morgen nach Hause, nach Hollfeld, fahren um die Kamera zu holen. Morgen hat er einen Drehtag. Das Geld muss verdient werden. Als Freiberufler hat man nie frei. Gegen 13 Uhr wird er wieder zurück sein. Ich mache derweil die Ferienwohnung sauber, schreibe und recherchiere ein wenig, sitze mit Fidel auf der Terrasse. Er schläft auf der seiner Decke im Sessel, natürlich immer mit einem offenen Auge auf mich. Es ist wieder sonnig, Gott-sei-Dank nicht mehr ganz so heiß wie vor ein paar Tagen.

 

Die neuen Vermieter sind weniger entspannt, das merken wir schon. Ständig laufen sie über unsere Terrasse, dicht an unseren Fenstern vorbei, durch den Garten, auf die Straße. Warum gehen sie nicht oben durch ihre eigene Haustür? Das wäre kürzer für sie. Nun, wir werden sehen. Ich packe schon mal die Wandersachen.

 

Dann kommt Peter pünktlich zurück. Er zischt noch schnell ein Bierchen und dann geht es los. Gegessen wird heute in der Entenmühle, da freuen wir uns schon drauf.

 

Wir fahren mit dem Auto nach Bischofsgrün und parken dort auf dem Parkplatz der Sesselbahn Talstation Nord. Dort kommen wir mit einem Parkplatzwächter ins Gespräch. Wir erzählen von unserer Wanderschaft und vom relativ neuen Jean-Paul-Weg, der aus dem Fichtelgebirge kommt, durch Bischofsgrün verläuft und dann hinten wieder aus dem Ort hinaus, nach Bad Berneck bis schließlich nach Bayreuth und Sanspareil. " ... wenn ihnen das etwas sagt", meint Peter.

"Ich weiß schon, sie müssen hinten nach Rangen über die 303, da müssens aufpassen mit dem Hund. Danach wirds dann ziemlich scheußlig. Die räumen da alles aus dem Wald raus und hinterlassen eine Sauerei, des glaubens net. Einfach so. Fertig und Abhauen."

Wir: "Aha."

Er: "Aber normale Wanderer sehen des gar net. Augen zu und durch, egal. Einen Wanderführerschein müßt es eigentlich geben ... ich hör' jetzt auf, passens nur auf die Schuh auf ..."

 

Vorgewarnt schlappen wir los, weiter auf dem Jean-Paul-Weg, vorbei an dem Wirtshaus Hammerschiede (wir sind nicht eingekehrt), ...

... durch den Naturpark unterhalb von Bischofsgrün in der Nähe des Weißen Mains, und wieder hinauf nach Rangen, einem Ortsteil hinter Bischofsgrün.

 

Mit dem Blick zurück lesen wir auch die 12. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten":

Habern und Sommerkorn

Der Lehrer von Jean Paul Th. Helfrecht hat das Fichtelgebirge um 1800 Beschrieben. Es lässt Einblicke zu, wie sich die Landschaft seit dieser Zeit verändert hat.

„So angenehm und fruchtbar die Goldkronacher Gegend ist, wo auch noch Nuss- und Obstbäume fortkommen; so rau und mager ist die Wülfersreuther Höhe. Die Bischofsgüner Fluren liefern statt Obst, die übrigens unentbehrlichen Erdäpfel, statt Weizen ein Gemenge von Habern und Sommerkorn.“

Die Ansicht von Bischofsgrün um 1800 zeigt dass die Rodungsinsel wesentlich größer war als heute. Auf dem Bild sind Getreide-, Kartoffel- und Kleeäcker dargestellt.
Die abgebildeten Personen zeigen die Mode der Zeit.

Landschaftsbild von Bischofsgrün um 1800 mit Personen im Vordergrund, gekleidet in damaliger Mode
Auf dem Jean-Paul-Weg, 12. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" - Habern und Sommerkorn - Landschaftsbild von Bischofsgrün um 1800

Und gleich folgt die 13. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten":

Auf dem Jean-Paul-Weg, 13. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" - Von guten Grasplätzen
Auf dem Jean-Paul-Weg, 13. Tafel "Landschaft zu Jean Pauls Zeiten" - Von guten Grasplätzen
Auf dem Jean-Paul-Weg hinter Bischofsgrün, mit stillgelegtem Kirchberglift
Auf dem Jean-Paul-Weg hinter Bischofsgrün, mit stillgelegtem Kirchberglift

Den stillgelegten Kirchberglift noch vor Augen lesen wir Stationstafel 77, die jetzt so schön in die Wintervorstellung passt:

Winter-Leiden und Winter-Freuden

Im Winter ist bei dem Volke die größte Armut; nur der warme Geist ist reicher.

Eben da war Egidius froh, daß draußen Müller und Bäcker einander schlugen - wie man das wehende Schneien in großen Flocken nennt - und daß die Eisblumen der Fenster aufblühten - denn er hatte äußeren Frost bei Stubenhitze gern -;
er konnte nun Pechholz in den Ofen und Möhrenkaffee in den Magen nachlegen und den rechten Fuß (statt in den Pantoffel) in die warme Hüfte des Pudels schieben und doch noch auf dem linken den Starmatz schaukeln, der die Nase des alten Hundes abraupte, indes er mit der rechten Hand - mit der linken hielt er die Pfeife - so ungestört, eingemummt war.

Draußen deckte zwar der Himmel alles mit Stille zu, den Bach durch Eis, das Dorf mit Schnee; aber in der Wohnstube war Leben, unter dem Ofen ein Taubenstall, an den Fenstern Zeisig- und Stieglitzenhäuser, auf dem Boden die unbändige Bullenbeißerin, unsere Bonne, der Nachtwächter des Pfarrhofs, und ein Spitzhund und der artige Scharmantel - und darneben die Gesindestube mit zwei Mägden; und weiter gegen das andere Ende des Pfarrhauses der Stall mit allem möglichen Rind-, Schwein- und Federvieh und dessen Geschrei; unsere auch vom Pfarrhofe umschloßne Drescher könnt‘ ich mit ihren Flegeln auch rechnen.

So von lauter Gesellschaft umgeben brachte nun leicht der ganze männliche Teil der Wohnstube den Vormittag mit Auswendiglernen nahe dem weiblichen Kochen zu.

Selberlebensbeschreibung

Das ist die Beschreibung von jeanpaulischem Stubenglück pur! Mehr zu diesem schönen Thema später ...

Jean-Paul-Weg Wegmarkierung auf einem Baumstamm mit dem Schild "Kein Winterdienst"
Auf dem Jean-Paul-Weg bei Bischofsgrün

Und gleich geht's weiter mit Stationstafel 78 und einen Blick auf den Schneeberg:

Auf dem Schneeberg

Ich bin nun auf dem Schneeberg, aber noch in der Sänfte. Erhabene Paradiese liegen um mich ungesehen, wie um den eingemauerten Menschengeist, zwischen dem und dessen höherem Mutterland der dunkle Menschenkörper innen steht; aber ich habe mich so traurig gemacht, daß ich in das schmetternde Trommeten- und Laubhüttenfest, das die Natur von einem Gebirge zum anderen begeht, nicht hineintreten will: sondern erst wenn die Sonne tiefer in den Himmel gesunken und wenn in ihrem Lichtstrom der Schattenstrom der Erde fällt, dann wird unter die stummen Schatten noch ein neuer beglückter stiller Schatten gehen.

Meine Sänfte wurde abgeschnallt und ich mit geschlossenen Augen hineingeschafft, weil ich erst auf dem Schneeberg, der Kuppel des Fichtelgebirgs, mich umsehen will ...
Unter dem Aussteigen strömte vor meinem Gesicht eine ätherische Morgenluft vorüber; sie drückte mich nicht mit dem schwülen Gesicht eines Trauerfächers, sondern hob mich mit den Wehen einer Freiheitfahne.

 

Daher kann dieser Vorredner niemals aufhören als unweit des Ochsenkopfs, auf dem Schneeberg.

Die unsichtbare Loge

Wenn man einfach wandert, geht man an solchen Stationstafeln eher vorbei, das heißt man liest sie, versteht nicht recht, sagt zu sich: soso, aha? - und widmet sich wieder der Landschaft und dem Gehen. Ich, die ich das hier schreibe, habe Gelegenheit, mal bei "Jean Paul" nachzuschauen. Die Textstellen auf dieser Tafel stammen aus der letzten Vorrede zu seinem ersten Roman "Die unsichtbare Loge".

 

Eine einzig glühende Ode an sein Fichtelgebirge

 

So, wie ich es auffasse, geht es darum, dass der Verfasser des o.g. Romans sich schon seit einem Jahr darauf freut, die "Vorrede" zu schreiben, und zwar "in Form einer Reisebeschreibung". Er habe sich das Schreiben, aus einem vernünftigen Grund, so lange aufgespart, bis er nämlich auf den Fichtelberg (alter Name für Ochsenkopf) fährt (per Sänfte). Weil - wie es jeanpaultypisch ist - wie wir es auch in Joditz schon erfahren haben - er sich gerne mal die Augen verbinden lässt, wenn er zu einem Aussichtpunkt reisen möchte, damit er oben die plötzlich unerwartet schöne Aussicht erst recht viel mehr genießen kann.

 

In diesem Fall hier, steigt er in die Sänfte, und statt die Augen zu verbinden, schreibt er während der ganzen Anreise seine Vorrede, nur damit er so nicht aus dem Fenster gucken kann. Das Schreiben zwingt ihn zur Konzentration auf seinen Text: Daher kann dieser Vorredner (Jean Paul selbst) niemals aufhören (zu Schreiben) als unweit des Ochsenkopfs, auf dem Schneeberg. Die Vorrede wird so lang werden, wie die Reise dauert.

 

Und damit die Vorrede schön lange dauert, wendet sich der Vorredner in seiner Vorrede einfach an möglichst viel Leute: "... ich muß wenigstens reden mit Rezensenten - Weltleuten - Holländern - Fürsten - Buchbindern - mit dem Einbein (er selbst) und der Stadt Hof - mit Kunstrichtern und mit schönen Seelen, also mit neun Parteien."

 

So gelangt er unter dem Schreiben bis zum Ochsenkopf - er ist gerade bei dem Thema "Stadt Hof" angelangt - steigt kurz aus, hält die Augen aber geschlossen, weil er jetzt doch zuerst auf den Schneeberg (der Kuppel des Fichtelgebirges) will. So vernimmt er, hier auf dem Ochsenkopf, nur die angenehme Luft. Die Textstelle: Meine Sänfte wurde abgeschnallt und ich mit geschlossenen Augen hineingeschafft, weil ich erst auf dem Schneeberg, der Kuppel des Fichtelgebirgs, mich umsehen will ...
Unter dem Aussteigen strömte vor meinem Gesicht eine ätherische Morgenluft vorüber; sie drückte mich nicht mit dem schwülen Gesicht eines Trauerfächers, sondern hob mich mit den Wehen einer Freiheitfahne.

 

Dann wendet er sich in seiner Vorrede an die noch fehlenden Kunstrichter, schreibt über die Kunst des Schreibens, die von ihm gehasste französische Art zu erzählen oder von aristotelischen Gesetzen, usw.. Dann gelangen sie, Jean Paul in der Sänfte und die beiden Träger, die Gondolierer, zum Fichtelsee und hier folgt der Text der Fichtelsee-Stationstafel 69: Gegenwärtig trägt man das Einbein (mich) über den Fichtelsee und über zwei Stangen, die statt einer Brücke über diese bemooste Wüste bringen. Zwei Fehltritte der Gondelierer, die mich aufgeladen, versenken, wenn sie geschehen, einen Mann in den Fichtelsumpf.

 

Dann hatte er mit acht Menschen in seiner Vorrede gesprochen, ist fast fertig und der Schneeberg da ... und das Werk zum Glück schon in Berlin ist ... heißt es weiter auf der Fichtelsee-Stationstafel 69: Berge über Berge werden jetzo wie Götter aus der Erde steigen, die Gebirge werden ihre Arme länger ausstrecken und die Erde wird wie eine Sonne aufgehen und dann wird ihre weiten Strahlen wie ein Menschen-Blick verknüpfen und meine Seele wird unter ihrem Brennpunkt glühen .... 

 

Jean Paul kommt in der Vorrede dann zu der Überlegung: "Es ist gut, wenn ein Mensch seine Lebensereignisse so wunderbar verflochten hat, daß er ganz widersprechende Wünsche haben kann, daß nämlich der Vorredner dauere und der Schneeberg doch komme".

Dann weiter aus der Fichtelsee-Stationstafel 69: In diesen Gegenden ist alles still, wie in erhabenen Menschen. Aber tiefer, in den Tälern, nahe an den Gräbern der Menschen steht der schwere Dunstkreis der Erde auf der einsinkenden Brust, zu ihnen nieder schleichen Wolken mit großen Tropfen und Blitzen, und drunten wohnt der Seufzer und der Schweiß. Ich komme auch wieder hinunter, und ich sehne mich zugleich hinab und hinauf.

 

Jetzt sinniert (schreibt nicht) Jean Paul weiter über sich selbst widerstrebende Kräfte im Leben, gelangt unterdessen auf den Schneeberg. ... Ich schrieb jetzt eine Stunde nicht; ich  bin nun auf dem Schneeberg, aber noch in der Sänfte. Erhabene Paradiese liegen um mich ungesehen, wie um den eingemauerten Menschengeist, zwischen dem und dessen höherem Mutterland der dunkle Menschenkörper innen steht; aber ich habe mich so traurig gemacht, daß ich in das schmetternde Trommeten- und Laubhüttenfest, das die Natur von einem Gebirge zum anderen begeht, nicht hineintreten will: sondern erst wenn die Sonne tiefer in den Himmel gesunken und wenn in ihrem Lichtstrom der Schattenstrom der Erde fällt, dann wird unter die stummen Schatten noch ein neuer beglückter stiller Schatten gehen. (Stationstafel 78).

 

In der Vorrede folgt nun ein unglaublich schöner Text über die ihn beglückende Betrachtung des sich darbietenden Naturschauspiels, dessen Schluss wir schon von Stationstafel 39 "Versunken in der Natur" (die wir am Waldstein, nicht gefunden hatten) kennen:

Nun tritt auch die Erdensonne auf die Erdengebirge und von diesen Felsenstufen in ihr heiliges Grab; die unendliche Erde rückt ihre großen Glieder zum Schlafe zurecht und schließet eintausend ihrer Augen um das andere zu.

Ach welche Lichter und Schatten, Höhen und Tiefen, Farben und Wolken werden draußen kämpfen und spielen und den Himmel mit der Erde verknüpfen - sobald ich hinaustrete (noch ein Augenblick steht zwischen mir und dem Elysium), so stehen alle Berge von der zerschmolzenen Goldstufe, der Sonne, überflossen da - Goldadern schwimmen auf den schwarzen Nachtschlacken, unter denen Städte und Täler übergossen liegen - Gebirge schauen mit ihren Gipfeln gen Himmel, legen ihre festen Meilen-Arme um die blühende Erde, und Ströme tropfen von ihnen, seitdem sie sich aufgerichtet aus dem uferlosen Meer - Länder schlafen an Ländern, und unbewegliche Wälder an Wäldern, und über der Schlafstätte der ruhenden Riesen spielet ein gaukelnder Nachtschmetterling und ein hüpfendes Licht, und rund um die große Szene zieht sich wie um unser Leben ein hoher Nebel.

Ich gehe jetzo hinaus und sink‘ an die sterbende Sonne und an die entschlafende Erde. 

 

Jean Paul fährt fort, beendet die Vorrede mit den Worten: Ich trat hinaus - - und der Roman beginnt.

 

Ich finde das alles wunderschön. Jean Paul ist so reichhaltig, dass ich alles zusammen gar nicht verdauen kann. Aber greift man einfach nur irgend ein Textstück aus seinem Werk heraus, ein paar Zeilen nur, sind diese allein schon so stellvertretend, das man gar nicht mehr zu lesen bräuchte. Das denke ich oft und kniee nieder.

So schöne Wege auf dem Jean-Paul-Weg
So schöne Wege auf dem Jean-Paul-Weg

Allein nur anhand dieses Textes aus der Vorrede zur „Unsichtbaren Loge"  kann man erspüren, wie sehr Jean Paul das Fichtelgebirge geliebt hat, wie wichtig es ihm war und wieviel Schönes und Schauerliches er aus ihm schöpfen konnte.

 

Jetzt müssen wir die B 303 überqueren, ist ein bisschen heikel bei dem vielen Verkehr. Danach geht es rechts hoch in den Bischofsgrüner Forst. Tja, und da sehen wir auch die Bescherung, von der uns der Parkplatzwächter erzählt hat. Wir quälen uns durch Verwüstungsspuren, die Harvester, Forstmaschinen und -fahrzeuge hinterlassen haben. Der Weg ist zerfurcht, aufgerissen, verschlammt. Alle paar Meter führen Rückewege in den Wald, von Baumstümpfen gesäumt, und hören plötzlich auf.

Das sieht aus wie: Reinfahren, Plattmachen, auf Tempo gehen, Rausreißen, Hochleistungssägen, Äste ab und hinwerfen, keine Umstände machen, zack-zack, egal und weg. Nach uns die Sintflut. Alle tun so, als ob sie nicht wüssten, was sie tun, als ob sie nicht wüssten, dass der Wald ein Ökosystem ist. Systeme sind immer verletzbar, immer. Es reißt einem das Herz aus dem Leib.

"Wächst doch wieder zu", höre ich sie sagen und in ihrem Verachtungsschema fortfahren, "Wieso? Ja, ja, immer rumjammern, ihr benutzt doch auch Klopapier, das ist nun mal aus Holz. Ihr seid doch selbst Heuchler. Die Natur ist dafür da, dass man sie nutzt."

 

Ich mache es kurz: ich hasse auch diese Kaste. Die gelogenen Forstliebhaber. Die gehören auch zu denen, die immer so tun, als ob alles zufällig passieren würde. Die ihre Unbewusstheit wie einen Bauchladen vor sich her tragen, um schon mal prophylaktisch unschuldig zu erscheinen. Sie schlagen Wunden und kümmern sich nicht um die Verletzten. Ich höre schon auf zu schimpfen. Es kotzt mich an.

 

Peter sagt mir, ich solle doch mehr über Hintergründe, Machenschaften, Ursachen, usw. dieser Forstwirtschaft schreiben, dass das Holz nicht zu Klopapier verarbeitet, sondern nach China verkauft wird. Ich habe aber keine Lust mehr. Schluss.

 

So, dann noch am Holzabholstapel vorbei, über die Straße und weiter, hoffentlich war es das für heute. Ich freu' mich auf die Entenmühle, freu' mich auf die Entenmühle, freu' mich auf die Entenmühle, freu' mich auf die Entenmühle ...

So stiefeln wir weiter durch den Forst, und wie es der Teufel will, kommt die Stationstafel 79 passend mit dem Titel "Der Teufel" daher:

Der Teufel

Die erste Sünde auf der Erde - zum Glück beging sie der Teufel auf dem Erkenntnisbaum - war eine Lüge; und die letzte wird auch eine sein; und den Wachstum an Wahrheiten büßet die Welt durch Verarmung an Wahrhaftigkeit.

Jeder Mensch hat seine Teufels-Augenblicke. Folglich werdet nicht irre, wenn das Kind auch seine Satans-Terzien hat, so wie seine Engelminuten.
Levana


Traue man mir aber nie zu, als lieh‘ dem Beelzebub körperliche Kräfte, etwas zum Bewegen von Körpern, Maschinen, Büchern und dergleichen - sondern ich lasse nur zu, daß dieser Fliegengott, ob er gleich nicht einmal so viel Körperkraft als eine Fliege hat, um gleich dieser nur einen Spinnenfaden oder gar eine Fliege selber damit fortzutragen, doch durch seine organische Hülle (jeder Geist muß eine umhaben) sich mit jeder Menschenseele in einen magnetischen Bezug setzen und diese dann, wie ein Magnetiseur die Hellseherin, seine Gedanken kann denken lassen und dadurch alles durchsetzen.
Der Komet


Ich bin der Vater der Lüge, aber bloß aus Humor.

Oh, da kommt ja ein interessantes Hinweisschild, finden wir ...

Schild Waldgasthof Schweinsbach im Bischofsgrüner Forst
Auf dem Jean-Paul-Weg, im Bischofsgrüner Forst

Es gibt noch einen Gasthof vor der Entenmühle! Was für eine Überraschung! Haben wir heute Freitag? Nein, Mittwoch. Prima. Dann gibt es jetzt bald eine Pause und tröpfeln tut es sowieso. Guter Vorwand.

 

Tja, und dann liegt er auch schon vor uns, mitten im Wald auf einer großen Wiese. Perfekt. Eine gute Wander-Einkehr.

Der Waldgasthof Schweinsbach bietet alles, was unser Herz begehrt. Nur - wir sind heute um 11 Uhr noch früh dran. Geplant war außerdem als Etappenabschluss eine Verspeisung in der Entenmühle. Schon trägt man hier die ersten Bräten mit Klößen an unseren Nasen vorbei, wir bereuen unseren Plan, bleiben tapfer beim Frühschoppen und warten bis der Regen nachlässt.

Waldgasthof und Pension Schweinsbach im Bischofsgrüner Forst
Waldgasthof und Pension Schweinsbach im Bischofsgrüner Forst

Wir schleppen uns weiter, aber es regnet auch weiter. Gott-sei-Dank habe ich einen Regenschirm dabei. Die komischen dünnen Plasik-Capes, die wir für 1 EURO gekauft haben, sind untauglich. Besonders bei Peters Leibesfülle.

"Da fahren wir auf jeden Fall noch mal hin!" sage ich zu Peter, "da gehen wir mal gemütlich rein."

"Ja."

 

Dann kommt Stationstafel 80, wie schön!

Das Christkind

Ich trieb es mit dem Chistkindchen oft weit (denn von einem Ruprecht sprach ich nie), ich setzte es auf den Mond und dahin unzählige lauter beste Kinder, und das Abendrot des Dezembers konnt‘ ich für nichts erklären, als für den Wiederglanz der aufgetürmten Wagen voll Christgeschenke.
In späten Jahren, wenn die Kinder in Mond- und Abendglanz schauen, wird ein wunderbares Entzücken in ihnen weich aufwallen, und sie werden nicht wissen, welcher fremde Äther sie anwehe und hebe - es flattert die Morgenluft eurer Kindheit, meine Kinder.


Levana


Was mich gestern so sanft anklang wie das gewöhnliche Fest-Einläuten, waren drei fremde Kinder, die ich belog. Ich gesteh‘ es Rezensenten und Atheisten, ich befestigte die drei gläubigen Jünger, so sehr ich konnte, im erwiesenen Irrtum eines existierenden  - Christkindleins: es fliege hoch und golden (macht‘ ich ihnen weis) über die Häuser und schaue herab auf gute und böse Taten der Kinder und belohne jene und bestrafe diese. Ich zeigte ihnen ohne Bedenken eine entfallene Pfauenfeder desselben (wie man in mittleren Zeiten des Erzengels Michael Federkiele wies), da es auf der umkreisenden Turmfahne die Schwingen ausdehnte und wieder zusammenschlug ...

Es ist kindisch und pedantisch, aus Kindern freudige Irrtümer auszujäten, ... Jagt den Ruprecht fort, aber lasset das magische Christuskind mir grüngoldnem Gefieder zwischen den widerscheinenden Dezemberwolken ziehen; denn jener richtet sich einmal grimmig mit gezahnten Tatzen im Fieber auf, aber dieses fliegt einmal vergoldend und anlächelnd durch einen dunklen Traum und durch die letzten Abendnebel auf dem Sterbebette und durchbricht mit hellen laufenden Goldpunkten den finstern Dunst.


Der Jubelsenior

Da ich dieses schreibe ist schon Dezember. Advent. Eine durch die Luft sinkende Pfauenfeder als Beweis für die Existenz des Christkindes, welches grüngoldne Flügel hat ... ja schau, gerade ist es hier gewesen, oh, jetzt ist es wieder fort geflogen ... ist eine so zärtliche Hinwendung an die Kinder, ist eine so kostbare Erinnerungsperle für ihre noch kurzen Lebensketten, welche wir bis zu unserem Tode tragen. Ich werde nie wieder zufällig durch die Luft fliegende und gefundene Federn ohne eine Erinnerung an Jean Paul betrachten können. Ich greife auch zu seiner Perle.

 

Der Himmel bleibt tief und dunkel. Wir laufen über eine Höhe und an Maisfeldern vorbei, ...

... dann durch das Döfchen Metzlersreuth und vorbei an der Stationstafel 81:

Max und Moritz Hühnerklau

Sein Hauswirt, der zugleich Professor und Geizhals war, beköstigte in dem ummauerten Hofe eine ganze Fasanerie von Hühnern. Fixlein samt einer Mitbelehnschaft von drei Stubengenossen bestritten den Mietzins einer Stube leicht; sie hatten überhaupt wichtige Dinge wie Phönixe nur einmal:

ein Bette, worin allemal das eine Paar Vormitternacht,
- das andere Nachmitternacht gleich Nachtwächtern schlief -
- einen Rock, in dem einer um den anderen ausging
und der wie ein Wachtrock die Nationalkleidung der Kompagnie war -
und mehrere Einheiten des Interesse und des Orts.

Unsere Unitarier hatten nur eine Sache viermal, den Hunger. Der Quintus erzählte es vielleicht mit einem zu freudigen Genuß der Erinnerung, daß einer aus diesem darbenden coro ein Mittel ersann, die Hühner des ordentlichen Professors wie Abgaben oder Steuer zu erheben - aber in den Hof war nicht zu kommen.

Der Feudalist machte sich daher eine Angel, klebte eine Brotpille an den Angelhaken und hielt fischend seine Angelrute in den Hof hinab. In wenigen Terzien griff der Haken in einen Hühnerschlund, und die angeöhrte Henne, die nun mit dem zinsherrlichen Feudalisten kommunizierte, konnte still, wie von Archimedes Schiffe, in die Höhe gezogen werden zur hungrigen Luftfischerei-Sozietät, wo ihrer nach Maßgabe der Umstände der rechte Feudal-Name und Besitz-Titel wartete: denn die resorbierten Hühner mußten bald Rauchhühner, bald Wald-, Forst-, Vogtei-, Pfingst-, Sommerhennen benannt werden.

Quintus Fixlein 

Hat da etwa Wilhelm Busch bei Jean Paul geklaut? So klingt's. Busch lebte nach Paul, von 1832 bis 1908.

 

Egal, es geht weiter, Stationstafel 82 ist uns sehr erbaulich:

Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 82 "Sommer-Freuden" hinter Metzlersreuth
Auf dem Jean-Paul-Weg, Stationstafel 82 "Sommer-Freuden" hinter Metzlersreuth

Sommer-Freuden

Ich hob auf dem Chor, wo die Knaben standen, das beschmutzte falbe Rosenblatt auf, das unter ihren Füßen lag. Großer Gott! was halte ich da anders, als ein geringes Blatt mit ein wenig Staub daran, und auf diesem geringfügigen Dinge wird meiner Phantasie ein ganzes Paradies gereicht!

Der ganze Sommer, der in meinem Kopfe wohnet, hält sich auf diesem Blatte auf! Ich denke an die schönen Somniertage (Traumtage), wo diese Blätter sielen, wo der Knabe durch das Kirchenfenster den Teil eines blauen Himmels und die vorüberziehenden Wolken sah, wo ihn jeder Platz voll Sonnenlicht im kühlen Gewölbe an die Lust außer demselben erinnerte, und wo ich auf der beschienenen Stelle die Schatten der ziehenden Wolken sah.

Ach, gütiger Gott! Du säest überall das Vergnügen hin, und gibst jedem Wesen eine Freude in die Hand! Nicht bloß zu großen, stürmischen Freuden ludest Du uns ein, an die kleinsten Dinge bandest Du Ergötzen, und gabest Allem, was uns umgiebt, Wohlgeruch!

Selberlebensbeschreibung

Es ist nur ein einziges Rosenblatt, das Jean Paul da aufhebt und in ihm das ganze Paradies sehen kann. Sich daran erfreuen kann. Während andere Menschen das ganze, echte, reale Paradies vor sich sehen, ja, vor ihm - ja, in ihm stehen, und ihnen nichts anderes hierin einfällt, als zu glauben, das gehörte alles ihnen und sie sich einfach bedienen dürften, es leer räumen dürften. Als gäbe es noch unzählige Paradiese dahinter, als gäbe es Paradiese im Überfluss, als würden Paradiese nachwachsen, als seien Paradiese unverwundbar, als seien Paradiese unzerstörbar, als seien Paradiese wegwerfbar, als seien sie Einweg-Paradiese, als könnten wir gut ohne sie leben. Wer braucht denn schon ein Paradies? So etwas ist wie ein überflüssiger Schnörkel, an dem man sich höchstens freuen kann. Aber besser, man braucht es erst gar nicht.

(Im Bischofgrüner Forst hätten tausende Rosenblätter liegen können, niemand hätte auch nur eines wahrgenommen.)

 

Gut, jetzt geht es bergab, in Ölschnitz-Tal. Da kann die Entenmühle nicht weit sein. Wir hören es auch schon schnattern, dazwischen Schafe blöken und  Ziegen meckern. Da werden wir einkehren, wir haben es uns redlich verdient, denn laut Wegbeschilderung sind wir jetzt schon um die 100 Kilometer gewandert. Für uns ist das begießenswert.

Jean-Paul-Weg Beschilderung, 111 km bis Joditz, 65 km bis Sanspareil
Auf dem Jean-Paul-Weg, schon mehr als die Häfte der Strecke haben wir erwandert

Der Himmel hat sich aufgeklärt, die Sonne scheint. Es ist Nachmittag, so 16 Uhr, wir betreten die Gaststube, sie ist nahezu leer. Der Betrieb geht sicherlich erst am Abend los. Wir lassen uns an einem Tisch in der Nähe des Ausschanks nieder, Fidel kriegt seine Decke unter die Bank gelegt, die er auch sofort zum Schlafen nutzt. Prima, jetzt können wir uns ungestört den Wirtshausfreuden hingeben. Wir bestellen natürlich Ente mit Rotkohl und Klößen, dazu zünftiges Bier.

Um uns herum wurde alles zu dem Thema Ente dekoriert, was sich nicht wehrte. Mit Enten bestickte Kissen, Entenvasen, Entenbilder, Ententischdecken, Enten aus Holz, Enten aus Porzellan, Enten mit Federn, Enten überall. Klasse.

Der Kellner bringt uns das Bier. Eine Gruppe wandernder Frauen bröselt in den Gastraum, führt eine zielgerichtete Inspektion durch und lässt sich dann doch lautschnatternd draußen auf der Sonnenterrasse nieder. Der Kellner rennt jetzt.

 

Wirte haben es auch nicht leicht

 

Wir nehmen lange Züge vom gut gekühlten, braunen Gebräu. Dann geht die Küchentür auf, eine Frau in Kittelschürze kommt herein, geht zum Tresen, zapft sich dort ein Bier und spricht: "So, jetzt brauch' i erst mal a Bier. Darf i des?" zu uns herüber schauend.

Wir: "Ja, klar."

Sie: "Jetzt hab' i elf Kilo Karotten gschält, da geht das."

Wir: "Klar!"

Dann scheucht sie eine Katze, die für uns unsichtbar auf einem Stuhl geschlafen hat, in die Küche.

Die Wirtin: "Ja, die schläft immer in der Stube, auf irgendeinem Stuhl, man sieht sie kaum."

Wir: "Uns stört das nicht."

Sie trinkt ihr halbvolles Glas in einem Zug aus und füllt es sich erneut.

"Pause muss sein. Wissens, letztes Jahr bin ich in der Scheune von der Leiter gefallen, nur von der Leiter gefallen! Und hab mir alle Knochen gebrochen. Alle. I wusst gar net, dass mer soviele hat. Und bis der Krankenwagen kam .. ach Gott hat des gedauert. Sechs Tage war i auf der Intensivstation. I n t e n s i v s t a t i o n!"

Wir: "Oh, Gott!"

Sie:" Heute sprür' i jedes Wetter. Überall."

Ich: "Oh Gott, dann haben sie ja noch den Gasthof hier, das ist auch nicht wenig Arbeit."

Sie: "Ach! Der hält mich fit ... wo kommen sie her?"

Ich: "Aus Hollfeld, das ist da Richtung Bamberg ..."

Sie: "Na, i mein wo ursprünglich?"

Ich: "Aus Trier ... "

Dann der Kellner, der sich zwischenzeitlich dazu gesellt hat: "Trier? Da ist es hier schon kalt."

Peter: "Kälte ist besser als zu heiß."

Die Wirtin: "Neulich war eine Wanderin hier, die war unterwegs nach Rom. Die hat uns aber dann schon aus München geschrieben, dass sie abgebrochen hat, wegen der Blasen. Und dann war sie ja allein unterwegs. Die wollte hier nur mal duschen, die wollte auch auf dem Boden schlafen. Sonst nichts. Tat mir richtig leid."

 

Der Kellner bringt uns das Essen. Sieht fantastisch aus. Wie das duftet! Am Ende einer Etappe darf man so richtig reinhauen. Kommt ihr Kalorien, heute könnt ihr uns nichts anhaben! Draußen singen die Frauen jetzt, kenne das Lied aber nicht. Die Katze von vorhin schleicht sich wieder in Gaststube, da kommt noch eine zweite.

 

Wir sind satt und platt. Aber, aber wir müssen noch zum Bus. In einer Stunde fährt er, so vermuten wir nach dem Fahrplanstudium. Wir fragen den Kellner, wie weit es nach Lützenreuth ist, denn da ist die Haltstelle. Er meint, na ja, eine halbe Stunde. Dann sollten wir unverzüglich aufbrechen, seufze ich zu Peter.

 

Au weia. Nach Lützenreuth führt eine Asphaltstraße von der Entenmühle aus, 1,3 Kilometer immer bergauf. Fidel ist wieder fit, der rennt. Ich krache ein, kräftemäßig, pustemäßig. Ich habe einfach wenig Muskeln. Peter ist da stärker. Er nimmt mich bei der Hand und zieht mich ein bisschen. Bergab kann er wiederum schlecht, wegen der Knie. Dann gehe ich langsamer. So kommen wir gut weiter.

 

Stubenglück im Bushäuschen

 

Im Bushäuschen müssen wir dann noch eine halbe Stunde warten. Manchmal tut das richtig gut. Schwalben segeln über uns hinweg. Gegenüber ist eine große Scheune, in die eine dicke braune Katze unter dem großen Tor hindurch verschwindet. Fidel beobachtet sie in hellster Aufregung. Er hat jetzt seine Unterhaltung für die gesamte Wartezeit. Ein Opa, eine Oma und, wir nehmen an, es ist der Sohn, gehen in die selbe Scheune, rollen das Scheunentor jetzt auf, man hört sie kramen. Es rumpumpelt kräftig und man sieht Schatten im offenen Scheunentor herum huschen. Zuschauen kann so entspanned sein.

 

Peter raucht und hustet. "Früher haben nur die Leute geraucht, die das Rauchen vertragen haben," ist sein Kommentar. Ich muss laut lachen. Unsere Laune ist von güldener Art, so wie das Bier heute in der Entenmühle. Dann telefoniert Peter mit dem Redakteur, wegen des Drehs morgen. Auf dem Dorfplatz vor uns halten welche einen Plausch. Haselnüsse liegen auf der Straße, ein Moped knattert vorbei, dann kommt der Bus.

 

Wir sind wieder einmal die einzigen Fahrgäste. Es geht über die Höhe. Die Sonne steht tief und wirft ihr warmes Licht auf die  abgemähten Felder, manche sind sogar schon gepflügt. Zwei Bussarde kreisen am Himmel und suchen unten nach Beute, zwei Lerchen tanzen sich trillernd in den Himmel hinauf, eine Katze lauert auf einer Wiese, vermutlich vor einem Mauseloch. Hoffentlich bleibt die Maus zuhause.

 

Dann kommt Bischofsgrün, der Parkplatz an der Sesselbahn, dann mit dem Auto zuück nach Nagel, kurz einkaufen, Essen kochen, vor dem Fernseher einschlafen, kriege nichts mehr aufgeschrieben. Weiß nicht, was es gab und was sie spielten. Nur noch Träume, Kinoland. Aus.

Erste Herbststimmung zwischen Lützenreuth und Bischofgrün
Erste Herbststimmung zwischen Lützenreuth und Bischofgrün

Dann kommt Bischofsgrün, der Parkplatz an der Sesselbahn, dann mit dem Auto zurück nach Nagel, kurz einkaufen, Essen kochen, vor dem Fernseher einschlafen, kriege nichts mehr aufgeschrieben. Weiß nicht, was es gab und was sie spielten. Nur noch Träume, Kinoland. Aus.

 

 

Nachtrag:

 

In Hollfeld haben wir Nachbarn, die Geologen sind. Sie besuchten uns gerne in unserer ehemaligen Kaffeestube Märchenwinkel . Oft haben wir uns sehr angeregt unterhalten, natürlich auch über ihren Beruf, über Steine und deren Leben. Das war uns neu. Sie sagten, man bräuchte sich eigentlich gar keine Gedanken um die Erde zu machen. Die Steine seien Jahrmillionen alt und werden alles um Jahrmillionen überleben. Selbst wenn alles kaputt ginge, die Steine blieben da. Sie sind der Ursprung des Planeten. Da sei der Mensch und seine paar Tausend Jahre so etwas wie ein evolutionärer Furz.

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